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    <title>Stephan in Brasilien (Als Missionar auf Zeit in São Luís)</title>
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    <description>Als Missionar auf Zeit in São Luís</description>
    <dc:publisher>stelabrasil</dc:publisher>
    <dc:creator>stelabrasil</dc:creator>
    <dc:date>2008-06-08T13:37:58Z</dc:date>
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    <title>Stephan in Brasilien</title>
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    <title>Besuch</title>
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    <description>Im April haben meine Eltern mich für 3 Wochen hier in Brasilien besucht. &lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;Meine Eltern und ich unterwegs&quot; height=&quot;296&quot; alt=&quot;Meine Eltern und ich unterwegs&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/stelabrasil/images/PICT4309.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
Ich habe meinen Vater anschliessend gebeten, einige seiner Eindrücke von diesem Land, den Menschen, den Erlebnissen niederzuschreiben und mir zur Verfügung zu stellen. Deshalb beginnt dieser sechste Rundbrief mit einem Gastbeitrag:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Da meine Frau und ich uns auf den Weg machten, das für uns ferne Brasilien zu besuchen, war mir schon klar, dass es viele Dinge geben wird, die mir zunächst befremdlich erscheinen mussten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Beispiel fühlte ich mich die ersten Tage in Brasilien sehr unwohl, mich als weißer und blasser Mitteleuropäer in einer Welt wieder zu finden, die von Menschen tiefschwarzer bis hellbrauner Hautfarbe geprägt ist. &lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;Meine Mutter mit Mitarbeiterinnen des Centro Beneficente&quot; height=&quot;296&quot; alt=&quot;Meine Mutter mit Mitarbeiterinnen des Centro Beneficente&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/stelabrasil/images/PICT4343kl.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Ganz deutlich spürte ich das, als wir am nächsten Tag nach unserer Ankunft in São Luís im Stadtzentrum Besorgungen machen mussten, da wir noch einige Dinge für unseren Aufenthalt benötigten. Ich fühlte ständig die Blicke der Menschen auf mich gerichtet. Waren es neugierige Blicke oder geringschätzige? Ich wusste es nicht. Ich kam mir vor wie ein Fremdkörper in dieser für mich neuen Welt. Diese Welt erschien mir die ersten Tage als eine feindliche. Hatte ich vorher zuviel Negatives mir angelesen und angehört? Warnungen vor Taschendieben, hohe Kriminalität und Bandenkriege in Brasilien müssen wohl dazu beigetragen haben. Ich als Weißer in einer farbigen Welt, das war in den ersten Tagen ein Problem für mich gewesen. Das legte sich aber bald nach drei bis vier Tagen. Ich musste oft an unsere Asylanten in Deutschland denken, die aus Afrika oder Sri Lanka zu uns gekommen waren, und die sich bei uns ständig aufhalten müssen. Farbige Menschen im weißen Deutschland.  Nur ich konnte nach drei Wochen wieder zurück in meine weiße Heimat mit der mir bekannten Kultur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da gab es noch eine Begegnung, die mich sehr beeindruckt hat. Wir waren bei Familie, Stephans Freunden, eingeladen. Es war Abend, als wir eintrafen, und die gesamte Familie (drei Generationen) standen um den Tisch herum und bereiteten für uns eine sehr große Schüssel Obstsalat. Dabei fiel der Familie auf, dass wir, meine Frau und ich, an der linken Hand einen dunklen Ring trugen und wollten um seine Bedeutung wissen. Es wurde ihnen erklärt, dass dieser Ring aus der Nuss einer Palme von brasilianischen Frauen der Landbevölkerung hergestellt wird. Er bedeutet ein Solidaritätszeichen mit der armen Landbevölkerung im Nordosten Brasiliens. Mich und meine Frau beeindruckte stark die Reaktion der Familie. In den Gesichtern war ganz deutlich Überraschung, Stolz und Verbundenheit zu lesen, weil es im fernen Deutschland offensichtlich Menschen gibt, die sich mit ihnen solidarisieren. &lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben dem Besuch bei unserem Sohn in São Luís statteten wir noch zwei Besuche bei Missionaren ab, die nicht weit weg in Bacabal und Natal seit über 40 Jahren ihren Dienst tun. Die Katechetin in Natal aus der direkten Nachbarschaft in unserem Dorf und ein Franziskanerpater, aus dem Nachbardorf stammend, trafen wir bei dieser Gelegenheit. Dabei wurde uns ganz deutlich bewusst, wie wichtig solche Besuche aus der Heimat für diese Menschen sind. Große Freude, dass wir sie besuchten und sie uns ihre Pfarrgemeinden und Aufgabenfelder zeigen konnten. Und auch, man darf das ruhig sagen, große Freude und Stolz ihren Leuten zu zeigen: Seht her, das ist Besuch aus dem fernen Deutschland.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Kennenlernen und Verstehen&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Das Besuchsprogramm mit meinen Eltern brachte mich selbst auch in den Genuss, bestimmte touristische Leckerbissen von Maranhão kennenzulernen, die ich vorher noch nie besucht hatte. So fuhr meine Gastfamilie (die für 3 Wochen auch Gastgeber für meine Eltern war) mit uns an einem Wochenende nach Barreirinhas, einem Touristenort in der Nähe der Lençóis maranhenses (wörtlich übersetzt: die Bettlaken von Maranhão). &lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;Bootsfahrt auf dem Rio Preguiças&quot; height=&quot;296&quot; alt=&quot;Bootsfahrt auf dem Rio Preguiças&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/stelabrasil/images/PICT4122.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
Dies ist ein 1550 km² grosses Dünengebiet an der Küste des hiesigen Bundesstaates, das sich weit ins Landesinnere erstreckt. In der Regenzeit sammelt sich zwischen den Dünen das Wasser und es entstehen kristallklare Lagunen. Erstaunlich ist, dass man, wenn man am Rand der Lençóis steht, auf der einen Seite nur Busch, auf der anderen nur Wüste vor sich hat. &lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;In den Lençois Maranhenses&quot; height=&quot;296&quot; alt=&quot;In den Lençois Maranhenses&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/stelabrasil/images/PICT4180.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
Ich gehe ein Stück allein in dieses Sandmeer hinein und scheine plötzlich der einzige Mensch weit und breit zu sein. Kein Lüftchen geht, nur die Sonne brennt unbarmherzig heiss. Ich bleibe stehen und jetzt merke ich, was hier so aussergewöhnlich ist: Ich höre...nichts. Einfach nichts. Nur meinen eigenen Atem. Nur meine eigenen Bewegungen. Nichts, was ablenkt. Nichts, was zerstreut. Nichts, was betäubt. Nichts, was einlullt. Nur Stille.&lt;br /&gt;
Ich bin das erste Mal in einer Wüste und es reizt mich, hier einmal längere Zeit zu verbringen. Vierzig Tage oder so...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiterer touristischer Höhepunkt war unser Besuch in Alcântara, einer alten Stadt aus der Kolonialzeit in der Nähe von São Luís. (Alles, was in Brasilien älter als 200 Jahre ist, gilt bereits als antik.) &lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;In Alcântara&quot; height=&quot;296&quot; alt=&quot;In Alcântara&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/stelabrasil/images/PICT4326.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
Was für mich den Reiz dieser Stadt ausmacht, ist zum einen die Beschaulichkeit, zum anderen sind es die vielen zerfallenen und mit Moos und Flechten überwachsenen Gebäude und Ruinen, Zeugen einer prunkvollen Vergangenheit. Die früheren Bewohner dieser einstmals bedeutendsten und reichsten Stadt von Maranhão hatten viel in diese investiert, denn in der Mitte des 19. Jahrhunderts sollte Dom Pedro II., der damalige Kaiser von Brasilien, Alcântara besuchen. So bauten denn einige der reichen Bürger der Stadt grosszügig angelegte Häuser mit 30 und mehr Zimmern, in denen sich der Kaiser wohlfühlen sollte. Leider kam es aber nicht zu diesem sehnlichst erwarteten, hochherrschaftlichen Besuch, denn er wurde schlicht und einfach abgesagt. Mit dem Verfall der Preise für Zuckerrohr und Baumwolle um 1865 begann dann der Niedergang der Stadt bis hin zur Bedeutungslosigkeit...&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;300&quot; alt=&quot;IMG_0368&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/stelabrasil/images/IMG_0368.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
Der Fremdenführer, der uns mit der Stadt und ihrer Geschichte bekanntmachte, schien jedoch seine Hausaufgaben nicht besonders gewissenhaft gemacht zu haben. Denn die wichtigen Gebäude der Stadt wurden seiner Auskunft nach allesamt im Jahre 1614 erbaut: Dieses Haus war der Wohnsitz der Familie XY. Wann wurde es erbaut? Es stammt aus dem Jahr 1614.  Vor uns das Gebäude ist das Stadthaus des Barons NN. gewesen. Aus welcher Zeit stammt es? Von 1614.  Hier sehen Sie die Überreste der ehemaligen Pfarrkirche. Wann wurde sie errichtet? 1614? Ja, genau. Im Jahr 1614 muss einen wahren Bauboom in Alcântara gegeben haben...&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;300&quot; alt=&quot;IMG_0359&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/stelabrasil/images/IMG_0359.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
Auch deutete der Führer das Symbol des Franziskanerordens  ein Arm des Franziskus gekreuzt mit einem Arm Christi vor dem Kreuz  kurzerhand um in ein Zeichen der Verbrüderung zwischen weisser und farbiger Rasse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Besuch meiner Eltern war aber nicht nur schön wegen der Zeit, die wir (nach langer Zeit wieder) miteinander verbracht haben. Er war mir von daher auch wichtig, weil ich ihnen zeigen konnte, wo, wie und mit wem ich hier lebe. Es ist nun eine andere Ebene von Verstehen möglich; zu verstehen, wenn ich über dieses Land und die Menschen, meine Arbeit hier erzähle; zu verstehen, was mich an diesem Land fasziniert, was mich hier hinzieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Lieber nicht krank werden&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
So schön und wichtig für mich der Besuch meiner Eltern auch gewesen ist, er war auch äusserst anstrengend für mich: Ständig übersetzen, wachsam sein, organisieren, auch sorgen. Ich hab´s gern getan (besonders das Übersetzen zeigte mir, dass ich doch ganz gut die Sprache kann); doch hat mir am Ende der drei Wochen mein Körper signalisiert, dass es genug ist: Ich hab ´ne heftige Erkältung mit Fieber bekommen und lag einige Tage im Bett. Als es dann nicht besser wurde, hab ich mich im Krankenhaus behandeln lassen. Der Arzt hat mir drei Infusionen verschrieben. Bei der zweiten wurde mir plötzlich schwindlig und heiss und ich bekam kaum noch Luft. Als ich dann der Schwester erklären konnte, was gerade mit mir passierte, legte man mich auf eine Liege und ich bekam Sauerstoff, so dass es mir schnell wieder besser ging. Das ganze zeigte mir, dass ich einfach nun eine Ruhepause brauchte, wieder in geregelte Bahnen kommen musste.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese unfreiwillige Stippvisite im brasilianischen Gesundheitssystem brachte mir aber auch einen kleinen Einblick in selbiges. Ich würde das Gesundheitssystem hierzulande als Zweiklassensystem bezeichnen, das die Menschen  wie so vieles andere in diesem Land auch  nach der Grösse ihres Geldbeutels einteilt in: Du bekommst eine ordentliche medizinische Versorgung  und du nicht. Manchmal auch: Du überlebst -  und du nicht.&lt;br /&gt;
Jeder Brasilianer hat im Grunde ein Anrecht auf eine kostenlose medizinische Grundversorgung. Dafür gibt es an vielen Orten in der Stadt (und auf dem Land) öffentliche Gesundheitsposten, in denen Ärzte und Krankenschwestern ihre Dienste anbieten (sollen). Ausserdem gibt es 2 öffentliche Krankenhäuser für die Millionenstadt São Luís. Diese sind Anlaufpunkte für die Teile der Bevölkerung, die sich keine Krankenversicherung leisten können. Das sind immerhin etwa 140 der 190 Millionen Einwohner Brasiliens.&lt;br /&gt;
Wer dagegen einen plano de saúde (Krankenversicherung) hat, zahlt monatlich einen Beitrag (auch je nach Geldbeutel) und kann die Dienste privater Kliniken und Krankenhäuser in Anspruch nehmen. Hier erhält man in der Regel eine umfassende Versorgung, auch mit Spezialisten und kann damit rechnen, keine langen Wartezeiten zu haben. Da ich eine Reisekrankenversicherung habe, bin ich ebenfalls zu einer Privatklinik gegangen, denn hier kann man sich auch behandeln lassen, wenn man die Rechnung selbst bezahlt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Familien der Kinder unseres Projektes können das nicht. Sie sind auf das öffentliche System angewiesen. Sie gehen auch nur im äussersten Notfall ins Krankenhaus, da ein Besuch meistens mit langen Wartezeiten verbunden ist. Besonders am Wochenende sind die zwei einzigen Notfallambulanzen in den Krankenhäusern total überlaufen. Da wartet das Kind mit gebrochenem Arm neben dem Mann, der eine Schnittwunde am Bein hat und in seinem eigenen Blut steht; ein Stück weiter stirbt ein Jugendlicher an einer Schussverletzung...&lt;br /&gt;
Nicht selten können Kranke monatelang nicht arbeiten und Geld für die Familie verdienen, weil sie auf die notwendige Operation warten müssen. Und manchmal sterben Menschen auch, weil der Krebs schneller war...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was speziell die Kinder des Centro Beneficente angeht, kommen sie manchmal mit kleinen schlecht oder gar nicht versorgten Wunden zu uns, weil sie mit dem Fahrrad, dessen Bremsen nicht funktionierten, gestürzt sind oder weil sie beim Fischen im Fluss in eine Glasscherbe getreten sind. Wenn ich sie dann mithilfe unserer Hausapotheke versorge, merke ich immer wieder, wie sehr sie dies geniessen: Es sorgt, es kümmert sich jemand um mich; es will jemand, dass es mir wieder gut geht. Dazu noch ein paar gute Worte und Streicheleinheiten erhalten: Zu Hause erfahren sie dies wohl zu selten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Wenn Jugend missioniert&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Ich, der ich ja als Missionar auf Zeit hier in Brasilien bin, habe letztens erlebt, wie Mission hierzulande aussehen kann  und war beeindruckt. In der comunidade (Filialgemeinde) São Francisco, in der Favela von Alemanha, fand eine missão dos jovens statt, eine Art Gemeindemission durch Jugendliche. In dieser Gemeinde, einer der 13 Filialen unserer Pfarrei, gibt es seit einiger Zeit keine Jugendgruppe mehr, die sich aktiv am Gemeindeleben beteiligt. Und so hat der Gemeinderat von São Francisco gemeinsam mit den Koordinatoren der pastoral da juventude, der Jugendpastoral, beschlossen, eben diese missão dos jovens durchzuführen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hierzu kamen an einem Wochenende im Mai etwa 50-60 begeisterte Jugendliche aus funktionierenden Gruppen anderer Gemeinden der Pfarrei als Missionare nach Alemanha. Sie quartierten sich ein Wochenende lang in Familien vor Ort ein, nahmen Kirche und Gemeinderäume in Beschlag und füllten sie mit Leben. &lt;br /&gt;
Der Freitagabend begann mit einer Vigil und Nachtanbetung in der Kirche, um die Jugendlichen auf ihre Aufgabe vorzubereiten und zu stärken. Am Samstagvormittag schwärmten dann die Jugendlichen in kleinen Gruppen aus und besuchten die Häuser und Familien in der Gemeinde, suchten das Gespräch mit ihnen, hörten sich Freuden und Nöte der Menschen an, beteten mit ihnen, teilten das Wort Gottes mit ihnen und luden sie und besonders die Jugendlichen ein, sich in das Gemeindeleben miteinzubringen bzw. in der neu zu gründenden Jugendgruppe mitzumachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Samstagnachmittag wurden in den Gemeinderäumen einige Projekte vorgestellt, die Jugendgruppen in ihren Gemeinden durchgeführt hatten, andere führten Strassentheater auf, zu dem sich schnell eine Menge interessierter Bewohner der Favela einfand. Am späten Nachmittag begann dann ein Weg durch die Strassen des Viertels, angeführt von einem grossen Lautsprecherwagen, auf dem eine Jugendband fetzige Musik spielte und sang. Der Wagen war umgeben von einer Wolke singender und tanzender begeisterter junger Menschen, die mit der Zeit immer mehr Leute anzog und grösser wurde. An verschiedenen Stellen in der Favela machte die Menge halt und verschiedene Gruppen führten Tänze auf, immer in Verbindung mit einer Einladung an die Bewohner. Der Zug endete abends an einem weiträumigen Platz, wo Jugendliche eine beeindruckende, moderne Version des Gleichnisses vom verlorenen Sohn darboten. Nach einem gemeinsamen Gebet ging der zweite Tag der Mission zu Ende.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Sonntagmorgen trafen sich alle Jugendlichen und die Gemeinde in der Kirche, um gemeinsam Messe zu feiern und anschliessend wurden die Erfahrungen, die die Gruppen bei ihren Besuchen gemacht haben, miteinander geteilt. Fast alle haben ablehnende, aber auch herzlich aufnehmende Menschen erlebt  und Jugendliche, die sich in der neuen Gruppe engagieren wollen. Eine Gruppe erzählte folgendes: Sie seien in ein Haus gekommen, wo offenbar nur der Hausvater anwesend war. Auf die Frage der Jugendlichen, ob sie zu einem Gespräch hereinkommen dürften, antwortete der Mann, er arbeite gerade im Haus und habe keine Zeit. Da boten ihm die Jugendlichen kurzerhand an, sich mit ihm zu unterhalten, während er weiterarbeite. Der Mann willigte ein und es entspann sich ein gutes Gepräch zwischen ihnen.&lt;br /&gt;
Nach dieser Auswertung endete die Mission mit dem gemeinsamen Mittagessen. Ich selbst habe diesen ganzen Prozess zwar nur anteilig erlebt, was mich aber am meisten beeindruckt hat, war, dass hier Jugendlichen zugetraut wird (und Jugendliche sich zutrauen!), die Botschaft vom Reich Gottes zu den Menschen zu bringen. Jugendliche evangelisieren Jugendliche: Das ist das Prinzip, nach dem die Jugendpastoral in Brasilien funktioniert und  wie ich schon zu verschiedenen Gelegenheiten erleben durfte  offenbar gute und fruchtbare Arbeit leistet.</description>
    <dc:creator>stelabrasil</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 stelabrasil</dc:rights>
    <dc:date>2008-06-07T01:55:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://stelabrasil.twoday.net/stories/4843047/">
    <title>Halbzeit</title>
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    <description>&lt;img title=&quot;Blick auf das historische Zentrum von São Luís&quot; height=&quot;296&quot; alt=&quot;Blick auf das historische Zentrum von São Luís&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/stelabrasil/images/PICT4041.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
Über 6 Monate bin ich bereits als Missionar auf Zeit hier in São Luís. Zeit, eine kleine,  Zwischenbilanz zu versuchen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#61548;	Die Sprache zu lernen, im Sprechen und Verstehen Fortschritte zu sehen und voranzukommen, bereitet mir grössere Schwierigkeiten als gedacht. Vielleicht hab ich auch einfach zu viel von mir erwartet. Viele sagen mir: Du sprichst sehr gut, du verstehst alles. Ich selbst bin noch nicht zufrieden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#61548;	Vieles, was in Deutschlands gewohntem Umfeld ohne grosse Probleme klappt, muss(te) ich hier von 0 an neu aufbauen, entwickeln: Mich mitteilen, mich ausdrücken, Schwierigkeiten bewältigen, mir Respekt verschaffen... Ich stosse manches Mal an meine Grenzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#61548;	Ich habe hier in São Luís ein Stück Zuhause, eine Familie gefunden; weniger bei meinen Gastgebern, bei denen ich wohne, sondern eher in unserem Projekt. Menschen, die mich mögen, mich respektieren, mit denen ich lachen, feiern und Spass haben, aber auch klagen, mich ärgern und trauern kann. Menschen, mit denen ich ein Stück Weges gehen kann.&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;In unserer Strasse&quot; height=&quot;400&quot; alt=&quot;In unserer Strasse&quot; width=&quot;296&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/stelabrasil/images/PICT4059.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#61548;	Für Menschen, die mich neu kennenlernen, bin ich als Ausländer immer noch der Exot. Und den begafft man, redet über ihn, während er daneben steht, den fragt man, ob er denn Englisch könne und der soll mal irgendwas auf deutsch sagen. Nicht immer verlaufen solche Begegnungen so negativ, aber vieles ist irgendwann nur noch nervig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#61548;	Noch nie hab ich so vieles Deutsches so liebgehabt wie hier, fern der Heimat, insbesondere die Möglichkeiten, Schönheiten und Feinheiten der deutschen Sprache und Musik. Manchmal in mir der aufkeimende, unterschwellige Wunsch: Wenn es doch hier so laufen würde wie in Deutschland... Ich muss immer wieder neu die Andersartigkeit der Kultur, des Lebens, der Realität hier annehmen und v.a. zwei Dinge lernen: Demut und Geduld.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#61548;	Auch wenn mir einiges im täglichen Leben auf die Nerven geht (der Müll, der achtlos aus den Fenstern geworfen wird, der ständige Lärm, das im Strassenverkehr herrschende unbarmherzige Recht des Stärkeren) und vieles im Land vor Unrecht zum Himmel schreit (die Straflosigkeit, mit der die Mächtigen und Reichen nach ihren Verbrechen davonkommen; die Armut, die u.a. aufgrund eines schlechten Bildungssystems immer weitervererbt wird; das vielerorts vorherrschende Klima der Gewalt, das Angst und Misstrauen, Voyeurismus und viel zu viele Opfer hervorbringt): Meine Faszination für dieses Land und die Menschen hier ist ungebrochen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#61548;	Die Begegnung mit den Kindern im Projekt und den Armen ist für mich immer wieder Motor und Motivation, trotz aller Rückschläge und schwer erkennbarer Fortschritte immer wieder die Ärmel hochzukrempeln und mich neu aufzumachen. &lt;br /&gt;
Diese Kinder mit all ihren Problemen, all ihrem Frust, all ihrer Verzweiflung; die von ihren Vätern verlassen und von ihrem Müttern zu Verwandten gegeben werden; die täglich hautnah Gewalt erleben, wenn der betrunkene Stiefvater alles im Haus kurz und klein und dazu noch die Mutter schlägt; die mit ihrer Familie zu neunt in einer 4x6 Meter grossen Hütte (eher ein dunkles, feuchtes, stinkendes Loch!) hausen und die nächtlich Zeuge sind, wenn die Mutter mit diversen Männern schläft; für die sich zu Hause und in der Schule niemand wirklich interessiert, die nur weitere zu stopfende Mäuler sind: Über diese Kinder, diese Geringsten, sagt Jesus Christus: Wer ein solches Kind in meinem Namen aufnimmt, der nimmt mich auf.&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;400&quot; alt=&quot;PICT4034&quot; width=&quot;296&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/stelabrasil/images/PICT4034.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
Wenn das so ist, dann kann ich ihm begegnen in dem Kind, das mich morgens im Centro zur Begrüssung umarmt, und in dem Kind, das mich durch sein Verhalten in der Chorprobe zur Weissglut bringt. Ich muss mich noch so viel in Geduld und Liebe üben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#61548;	Auch entgegen aller heruntergeschraubter Erwartungen im Prozess der Vorbereitung auf unseren Einsatz: Ich kann hier etwas bewegen. Wenn ich meine Ideen und Erfahrungen einbringe, wenn ich meine Meinung sage, wenn ich Einspruch erhebe, weil ich eine Entscheidung für falsch halte, wenn ich etwas durchsetze, das ich für richtig halte, wenn ich Liebe und Aufmerksamkeit denen schenke, die sie besonders brauchen,...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Zurück im Alltag&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Im Februar, als die Schulferien endeten und der Betrieb im Centro Beneficente wieder seinen Lauf nehmen wollte, gab es einige Schwierigkeiten: Zunächst waren nur wenige Kinder angemeldet worden, so dass der normale Betrieb infrage stand. Dann ergriff Dona Violeta die Initiative, ging in Alemanha auf die Strasse und von Haus zu Haus, besuchte Familien, sprach Eltern an und lud deren Kinder ein, ins Centro zu kommen. Und mit einem Mal kamen täglich Eltern, die ihre Kinder anmelden wollten. Die Zahl stieg von gut 50 auf aktuell über 200 Kinder, die vor- und nachmittags nun unser Projekt frequentieren. Nun ergab sich ein neues Problem; dass nämlich einige Klassen restlos überbelegt waren und ein Arbeiten mit den Kindern unmöglich wurde. Nach einigem Hin und Her mit dem Vorstand wurde schliesslich eine neue Erzieherin eingestellt und die Klassen neu aufgeteilt, so dass es nun zwei Vormittags- und fünf Nachmittagsgruppen gibt.&lt;br /&gt;
Wir haben daher viele Neulinge, die erst einmal ihren Platz im Gefüge finden müssen.&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;296&quot; alt=&quot;PICT4063&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/stelabrasil/images/PICT4063.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Fussball&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Seit Anfang März spiele ich einmal in der Woche mit den Jungs aus unserem Projekt Fussball. Als Brasilianer sind sie ganz heiss darauf. Dabei birgt dieser Sport für sie die Möglichkeit in sich, zu lernen, sich an Regeln zu halten, fair miteinander umzugehen und Frustrationen auszuhalten. (Die Frustrationstoleranzgrenze scheint bei einigen unserer Kinder unter Null zu liegen.) Unser Projektgelände bietet leider nicht die Möglichkeit und den Raum zum Fussballspielen. Daher haben wir uns um einen Platz ausserhalb bemüht, auf dem wir unter uns sein können. Uns so kommen jetzt jeden Samstag Morgen zwischen 10 und 20 fussballbegeisterte Jungs auf dem Gelände der Guarda municipal (in etwa Stadtwache) zusammen, um auf dem dortigen Fussballfeld ausgiebig zu pöhlen.&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;Nach dem Fussballspiel&quot; height=&quot;296&quot; alt=&quot;Nach dem Fussballspiel&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/stelabrasil/images/PICT4098.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Geburtstag&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Mein erster Geburtstag im Ausland war ein Tag voller Überraschungen:&lt;br /&gt;
Frühs wollte ich gerade frühstücken, da sagte Heremil, mein Gastgeber, dass wir in Centro frühstücken und &quot;in Kürze&quot; abfahren würden. Wie das so hier ist, verzögerte sich die Abfahrt und ich sass auf heissen Kohlen, weil ich doch im Centro sein wollte, wenn die Kinder kommen. Irgendwann (zu spät) fuhren wir dann los. Und als wir ankamen, wusste ich auch, warum. Im Saal war eine riesige Tafel mit Essen, Kuchen und Getränken aufgebaut und alle Kinder des Vormittags samt Mitarbeitern waren erwartungsvoll versammelt, sangen mir Lieder, trugen Texte vor und jedes Kind hatte mir eine Karte/Brief/Bild gemalt.&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;Eine Geburtstagstafel für alle&quot; height=&quot;296&quot; alt=&quot;Eine Geburtstagstafel für alle&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/stelabrasil/images/PICT4024.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
Als die Kinder dann mittags gegangen waren, fuhr ich mit meiner Portugiesischlehrerin Schwester Terezinha und Bruder Zacarias, die mich zum Essen eingeladen hatten, in ein Lokal am Strand. &lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;Mit Schwester Teresinha und Bruder Zacarias&quot; height=&quot;296&quot; alt=&quot;Mit Schwester Teresinha und Bruder Zacarias&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/stelabrasil/images/PICT4039.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
Irgendwann sass ich dann wieder auf heissen Kohlen, weil ich doch wieder zurück im Centro sein wollte, wenn die Nachmittagskinder kommen. Doch den beiden fiel dann plötzlich ein, dass Terezinha noch gar nicht die Schule kennt, in der Zacarias arbeitet, und so fuhren wir kurzum dorthin und besichtigten ausgiebig die einzelnen Klassen. Das alles war letztlich ein abgekatertes Spiel, denn man wollte mich vom Centro fernhalten, damit die Kinder und Lehrerinnen dort in Ruhe Vorbereitungen treffen konnten.&lt;br /&gt;
Als ich dann gegen halb 5 zurück im Centro war, wurde ich in den Saal geführt, wo wiederum alle Kinder versammelt waren, die mir Lieder sangen, einen Tanz und eine Capoeirashow lieferten, die Kinder meines Chores präsentierten mir ein Lied und ich bekam wieder einen Berg von liebevoll gestalteten Briefen und Bildern geschenkt.&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;Die Kinder zeigen beim Capoeira ihr Können&quot; height=&quot;296&quot; alt=&quot;Die Kinder zeigen beim Capoeira ihr Können&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/stelabrasil/images/PICT4048.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
Anschliessend hatte ich Probe mit meinem Kinderchor und als ich die Kinder nach Hause entliess und auf den Hof hinaustrat, war dort Grill und Essen aufgebaut und alle Lehrerinnen, Mitarbeiter und weitere Freunde waren versammelt und empfingen mich. Das war dann die letzte Überraschung an diesem Tag, der einfach nur genial war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Ostern&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Die Osterfeierlichkeiten in der Kirche sind hier in Brasilien ganz ähnlich denen in Deutschland. Ich habe an den Gottesdiensten und Feiern in unserer Pfarrei teilgenommen, wo am Karfreitag wie in vielen anderen Gemeinden in São Luís ein Passionsspiel von Jugendlichen stattfand. An verschiedenen Stellen auf dem Pfarrhof und drumherum wurden die einzelnen Abschnitte der Leidensgeschichte Jesu gezeigt. Als Zuschauer musste man daher ständig den Standort wechseln, und so zogen wir, die Zuschauer, auch mit dem geschundenen Verurteilten, den prügelnden Soldaten und dem pöbelnden Volk bis zur Kreuzigungsstätte. Da kam in mir die Frage auf: Wo hätte ich, wo hätten wir, die Zuschauer, damals unseren Platz gehabt? Wären wir auch neugierig gaffend hinterhergezogen, wie wir es hier gemacht haben (bewaffnet mit Kamera und Fotoapperat)? Übung genug darin haben wir Fernseh-gewohnten ja.&lt;br /&gt;
Am Ostersonntag feierte ich die Messe in der kleinen Gemeinde São Francisco in Alemanha mit und noch nie hab ich eine Gemeinde mit solcher Freude und Begeisterung das Halleluja singen hören.&lt;br /&gt;
Über die hiesigen Osterbräuche kann ich nicht viel sagen, da in meiner Gastfamilie quasi kein gemeinsames Fest stattfand. (Heremil war mal wieder auf sein Landhaus gefahren.) Man schenkt sich jedoch gegenseitig grosse Schokoladeneier, die mit einer kleinen süssen oder sonstigen Überraschung gefüllt sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Zwei Episoden aus dem Alltag&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Nummer 1. Ich kenne Erika von den Treffen einer Gruppe der Pfarrei Nossa Senhora da Glória in Alemanha. Sie ist 23 Jahre alt und Studentin. Nachdem ihre Mutter vor Jahren gestorben war, wuchs sie bei ihrer Tante in São Luís auf. Sie hat 3 jüngere Geschwister, die jedoch bei einer anderen Tante in der Hauptstadt Brasília aufgewachsen sind. Erika kannte sie nicht. Sie hatte sie bisher nur einmal früher, als sie noch in der Wiege lagen, gesehen. Seitdem nicht mehr. Brasília ist weit. Und eine Reise teuer. &lt;br /&gt;
Nun ist die Tante in Brasília auch gestorben. Erika fliegt hin. Und kommt mit Begleitung zurück. Sie hat die beiden jüngsten Geschwister (10 und 7 Jahre alt) mitgebracht. Sie hat die Verantwortung, die Sorge für sie übenommen. Sie ist jetzt für sie grosse Schwester und Mutter gleichzeitig. Vom Staat gibt´s keine Hilfe (Kindergeld o.ä.). Die beiden bekommen nur etwas von der kleinen Rente der verstorbenen Tante. Erika sorgt für die Einschulung hier, zeigt ihnen (zum ersten Mal) das Meer, muss ein Haus, eine neue Wohnung mieten. Und sie meldet die beiden Kinder bei uns im Centro an. Montag sollen sie zum ersten Mal kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nummer 2. Vormittags im Centro: Ich helfe Sidney bei den Hausaufgaben. Geographie. Thema ist der Unterschied zwischen armen und reichen Vierteln in der Stadt. Frage im Schulbuch: Kennst du Gegenden in deiner Stadt, in der Menschen unter schwierigen Umständen wohnen? Kennt er. Unter der Brücke (über die ich jeden Tag zur Arbeit fahre). Sidney selbst (10 Jahre) ist zweitältestes von 6 Kindern seiner 25jährigen Mutter. Sie wohnen in einer kleinen einfachen Palafita aus Brettern im Flusssumpf, zu der nur ein klappriger Holzsteg führt. In diesem Moment ist es nicht die Scham über seine eigene Lebenssituation. Er meint es ehrlich und aus offenem Herzen: Die Menschen dort unter der Brücke, die sind arm. Er selbst ist es nicht  in seinen Augen.&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;296&quot; alt=&quot;PICT4033&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/stelabrasil/images/PICT4033.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Zum Abschluss&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Mir geht es sehr gut und ich bin immer noch gern hier. Am Dienstag kommen mich meine Eltern besuchen und bleiben 20 Tage. Ich freu mich schon sehr darauf, sie nach so langer Zeit wiederzusehen, und auch, weil ich dann endlich einmal Menschen aus meiner Heimat mein Leben hier zeigen kann.</description>
    <dc:creator>stelabrasil</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 stelabrasil</dc:rights>
    <dc:date>2008-04-06T22:39:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://stelabrasil.twoday.net/stories/4697662/">
    <title>Eine bewegte Zeit</title>
    <link>http://stelabrasil.twoday.net/stories/4697662/</link>
    <description>Es ist schon einige Zeit her, dass ich etwas hab von mir hören lassen. Eine erlebnis- und ereignisreiche Zeit liegt hinter mir. Wie schon angekündigt, bin ich in den letzten Wochen gereist, so dass ich etwa einen Monat gar nicht in São Luís gewesen bin. Im Centro Beneficente waren Ferien, bzw. lief das Programm nur auf Sparflamme, so dass ich dort auch nichts Wesentliches verpasst habe.&lt;br /&gt;
Mit dem, was seit dem letzten Rundbrief alles passiert, liesse sich ein Buch füllen. Doch ich will mich auf 4 Dinge konzentrieren, die mich in dieser Zeit sehr bewegt haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Vozes da paz&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Der erste Auftritt meines Kinderchores bei unserer Weihnachtsfeier am 19. Dezember war ein voller Erfolg. Wir haben extra T-Shirts für den Chor anfertigen lassen, auf denen nun gross dessen Name Vozes da paz (Stimmen des Friedens) prangt. Die Kinder waren stolz wie Oskar, sowas von diszipliniert (jedenfalls auf der Bühne) und haben echt gut gesungen (wenn`s auch noch etwas unrein war), so dass ich mich auch ein wenig wie Oskar fühlte. Wir haben ein kleines Programm mit vier Liedern und erklärenden bzw. besinnlichen Zwischentexten präsentiert.&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;Unser Chor &quot;Vozes da paz&quot; beim Auftritt&quot; height=&quot;296&quot; alt=&quot;Unser Chor &quot;Vozes da paz&quot; beim Auftritt&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/stelabrasil/images/PICT3468.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
Mit Weihnachten begannen dann die Ferien, so dass ich erst in der kommenden Woche wieder mit dem Proben anfangen werde. Ich habe vor, mit den Kindern Lieder für die Messe einzustudieren, um dann mit ihnen in den Kapellengemeinden, in denen sie wohnen, Gottesdienste mitzugestalten. &lt;br /&gt;
Was mir Bauchschmerzen bereitet, ist, dass viele der Chorkinder sich bis heute noch nicht für die Teilnahme am Programm des Centro im beginnenden Schujahr angemeldet haben, d.h. dass es noch unsicher ist, ob sie denn wiederkommen. Möglich ist, dass die Eltern/Verantwortlichen die Anmeldung einfach nur verpennt haben. Auch weiss ich von einigen der grösseren Mädchen, dass sie ab diesem Monat nachmittags Schulunterricht haben, so dass sie zu den Probenzeiten nicht mehr kommen können. Es ist also noch unsicher, wie alles wird.&lt;br /&gt;
Eines dieser Mädchen hab ich letztens gesprochen und sie sagte mir, dass sie ihre Mutter bitten wollte, sie zu den Probenzeiten des Chores vom Schulunterricht zu befreien. Ich weiss zwar nicht, ob das möglich ist, aber es hat mir gezeigt, wieviel den Kindern offenbar der Chor wert ist und was sie bereit sind, dafür zu bewegen.&lt;br /&gt;
Im neuen Schuljahr, das nun beginnt, wird es also einiges an Veränderungen im Centro und auch für meine Arbeit dort geben, die ich mir nicht so gravierend vorgestellt habe. Die Fluktuation der Kinder ist wohl grösser als ich dachte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Natal&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;Die neue Brücke über den Rio Potengi in Natal&quot; height=&quot;296&quot; alt=&quot;Die neue Brücke über den Rio Potengi in Natal&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/stelabrasil/images/PICT3640.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
Über Neujahr bin ich 10 Tage nach Natal gefahren und habe dort meine Freunde besucht, die ich dort vor Jahren kennengelernt habe und die zum Weltjugendtag 2005 in Heiligenstadt zu Gast waren. Ausserdem habe ich die aus meinem Heimatdorf Hünningen stammende Katechetin Änne Lenze (Dona Anna) besucht. Also ein Wiedersehen mit alten, sehr guten Freunden, eine reiche, intensive Zeit mit schönen Begegnungen und guten Gesprächen. &lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;Tony, Zezinho, Fabiano und Dona Anna&quot; height=&quot;296&quot; alt=&quot;Tony, Zezinho, Fabiano und Dona Anna&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/stelabrasil/images/PICT3667.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
Einer meiner Freunde, Tony, hat sich ein kleines Haus gekauft. Natal ist, wie die meisten der brasilianischen Grossstädte, eine unwahrscheinlich schnell und dynamisch wachsende Stadt. Um den immensen Wohnraumbedarf zu befriedigen, lässt die Stadtverwaltung Siedlungen am Rande der Stadt bauen. Tony hat sich um ein Haus in solch einer Siedlung beworben. Welches Haus er dann konkret in der Siedlung kaufen konnte, wurde ausgelost. Er hat Glück gehabt, denn es gab mehr Bewerber als Häuser. &lt;br /&gt;
Solch eine Siedlung kann aus 500 Häusern bestehen, die nach Fertigstellung alle komplett identisch aussehen  innen wie aussen. (Wer den Film Cidade de Deus (City of God) kennt, kann zu Beginn eine solche Siedlung sehen.) &lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;Eine neue Siedlung wartet auf ihr Bewohner&quot; height=&quot;296&quot; alt=&quot;Eine neue Siedlung wartet auf ihr Bewohner&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/stelabrasil/images/PICT3610.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
Haben die Häuser einen Besitzer, ist es mit der eintönigen Gleichförmigkeit schnell vorbei. Da werden hier Gitter vor die Fenster montiert, dort wird die Aussenwand farbig gestrichen und wieder woanders eine Mauer mit gefliester Toreinfahrt hochgezogen. Einige Zeit später kommen dann die ersten Erweiterungsbauten  nach hinten, zur Seite oder nach oben  hinzu, und irgendwann ist gar nicht mehr zu erkennen, dass die Häuser mal alle gleich aussahen. (Diese Entwicklung ist auch sehr schön in Cidade de Deus zu beobachten.) Während in Deutschland für die Ewigkeit gebaut wird, sind die Brasilianer da viel flexibler, vorübergehender; vielleicht auch weniger im Haus heimisch.&lt;br /&gt;
Meines Freundes Tony erster Akt als Hausbesitzer war es, Bäume zu Pflanzen. Ich habe ihm geholfen, eine Mauer um das Grundstück zu bauen. Wenn Du das nächste Mal kommst, lad ich dich hierhin ein, sagt er. &lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;Tony vor seinem Haus&quot; height=&quot;296&quot; alt=&quot;Tony vor seinem Haus&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/stelabrasil/images/PICT3620.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
Und dann sagt er noch etwas, was mich sehr beeindruckt: Bald werde ich hier damit anfangen, Firmkatechese zu halten. Mein Freund Tony, der schon viele Jahre in Pfarrei und Diözese Jugendarbeit und Sakramentenvorbereitung macht, denkt schon jetzt darüber nach, wie Kirche in diesem neuen Stadtviertel die Menschen erreichen kann, hat schon jetzt einen Traum, wie Gemeinde aufgebaut werden kann. Wir werden dann ein Grundstück suchen, um eine Kirche zu bauen. Ja, Kirche muss von Anfang an Präsenz zeigen, da, wo die Menschen wohnen, Gemeinde muss einen Ort haben, um sich versammeln zu können. (Die Sekten sind mit soetwas immer sehr schnell.)&lt;br /&gt;
Für Tony sind das normale Leben und das Mitbauen am Reich Gottes nicht zwei getrennte Bereiche, sondern das eine durchwirkt und prägt das andere. Hier in Brasilien habe ich schon viele Menschen kennengelernt, die so überzeugt und stark ihren Glauben leben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Salvador&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Von Natal aus reise ich im Januar nach Salvaor de Bahia und nehme dort mit 27 weiteren deutschen Freiwilligen, die, von verschiedenen Organisationen entsandt, einen Dienst in Brasilien leisten, an einem Begleitseminar der AGEH teil. Eine Woche intensiver Austausch, Reflexion, Perspektiventwicklung, Arbeit an uns selbst. Und das alles vor der grandiosen Kulisse eines paradiesischen Strandes. Es tut mir sehr gut und es ist unwahrscheinlich wichtig, dass es für Freiwillige im Ausland solch eine Möglichkeit der Begleitung gibt. &lt;br /&gt;
Nach dem Seminar bleibe ich mit Michael, einem anderen Missionar auf Zeit der Franziskaner, der in Teresina arbeitet, noch eine Woche in Salvador, um die Stadt näher kennenzulernen. Und diese Stadt hat Stil, hat Atmosphäre, hat eine herrliche Lage, hat wunderschöne Ecken zu bieten. Die kräftigen Farben, die Proben der blocos, der Trommel- und Musikgruppen, die baianischen Spezialitäten... Ich geniesse mit allen Sinnen.&lt;br /&gt;
Eine Strasse weiter abseits der Touristenströme ist man schon nur unter Brasilianern in ihrem Alltag. Und unter den dekorativen Fassaden der prächtigen Paläste der Oberstadt hängen in der Steilwand armselige Hütten. Ich habe noch in keiner anderen Stadt so viele Menschen betteln sehen.&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;Palafitas in Salvador&quot; height=&quot;296&quot; alt=&quot;Palafitas in Salvador&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/stelabrasil/images/PICT3891.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
Eine Woche also als Tourist  eine Rolle, in der ich mich nicht die ganze Zeit über wohlfühle. &lt;br /&gt;
Praia do forte. Einen Tag fahren wir in dieses gänzlich für den Tourismus hergerichtete Städtchen, um Zeit am Strand zu verbringen. Am späten Nachmittag fällt ein Rudel Strassenkinder in den Ort ein. Ich denke jedenfalls, dass es Strassenkinder sind. Alle sind  ähnlich den hier zu Karneval üblichen fofão-Kostümen  mit gruseligen Masken vermummt, tragen flatternde Umhänge, aus schwarzen Müllsäcken oder Planen geschnitten, einige haben lange Palmwedel daran gebunden, andere tragen klingende Glocken. Sie betteln. Wohl keiner ist über 11 Jahre alt, der Jüngste vielleicht 5 oder 6.&lt;br /&gt;
Eine Touristenfamilie will ein Foto von ihren Kindern und einer dieser vermummten Gestalten machen. Zunächst läuft der Kleine zu einem anderen, einem Grösseren, einem Erfahrenen, vielleicht dem Rudelführer, und fragt, ob das in Ordnung gehe. Als er die Zustimmung hat, lässt er sich mit ablichten. Als er um Geld bettelt, geht die Familie weg.&lt;br /&gt;
Ein anderer heitert das kleine Kind einer Familie auf, kniet sich vor ihm in den Staub der Strasse, macht Mätzchen, albert nur so aus Spass mit ihm herum. Zwischen den ganzen Reichen und Schönen, die hier rumlaufen, wirkt er auf eine Art unwahrscheinlich frei.&lt;br /&gt;
Einer der Jungs kommt auf mich zu, bittet um Geld. Ich kann dein Gesicht nicht sehen, sag ich. Eine kurze Bewegung und zwei dunkle Augen lächeln mich an. Wie heisst du? Ich gebe das erste Mal einem Strassenkind Geld.&lt;br /&gt;
Mag sein, dass an der Bushaltestelle ein Erwachsener wartet, bei dem sie den Erlös des Tages abzuliefern haben und der damit seine Drogengeschäfte finanziert; mag sein, dass die Kinder das Geld nach Hause zu ihren Familien tragen; mag sein, dass sie es zum Überleben ihres Rudels unter den Brücken Salvadors brauchen. Ich möchte mehr über ihre Geschichte, ihre Lebenssituation erfahren, ich möchte durch das, was ich tue, ihnen Würde und Anerkennung schenken... Das nächste Mal mache ich es anders...nehme ich mir mehr Zeit...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Matinha&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Karnevalswoche. Matinha, eine Kleinstadt im Interior von Maranhão, d.h. auf dem Land. Ich bin dort mit Anne, der anderen MaZlerin aus São Luís, und Jane und Wilson, einer befreundeten Familie. Wir verbringen bei deren Verwandten die Karnevalstage. Etwa 20 Leute, Cousins und Cousinen mit Anhang haben sich dort eingefunden und teilen 6 Tage lang miteinander den beengten Raum in 2 kleinen Häusern. Die meisten von ihnen hab ich noch nie gesehen, doch werde ich sofort wie einer von ihnen herzlich aufgenommen, wie ein weiteres Familienmitglied, ein weiterer Cousin, nur aus Deutschland halt. &lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;296&quot; alt=&quot;PICT3987&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/stelabrasil/images/PICT3987.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
Es ist sofort selbstverständlich, dass ich ein und aus gehe, dass ich mich am Kühlschrank bedienen kann, dass ich eine Hängematte mit Laken zum Schlafen bekomme.&lt;br /&gt;
Alles ist einfach, alles ist unkompliziert: 5 Leute schlafen in einem Raum, in Hängematten, auf dem Sofa, auf dem Boden. Wenn kein Wassertag ist und der Tank der Dusche hinterm Haus leer ist, dann nimmt man den Eimer mit Wasser aus der Zisterne. Beim Essen wird niemand vergessen; wenn die Stühle nicht reichen, isst man im Stehen oder auf dem Boden sitzend. &lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;296&quot; alt=&quot;PICT3965&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/stelabrasil/images/PICT3965.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
Immer ist jemand da, mit dem man quatschen kann, zu dem man sich gesellen kann. Immer ist jemand da, der einen einlädt dazuzukommen, mitzukommen. Privatsphäre scheint hier ein Fremdwort, scheint hier niemand zu brauchen.&lt;br /&gt;
Der Laden von Janes Eltern hat geöffnet, bedient die Kunden, auch wenn geschlossen ist, und Janes Mutter näht und kocht den ganzen Tag. Alle tun immer irgendwas, beschäftigen sich, aber irgendwie auch wieder nicht so richtig. Auf deutsch gesagt: Es kommt nichts Produktives bei rum, ein Ziel ist nicht erkennbar. Doch ist das gerade wichtig?&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;Auf zum Feiern!&quot; height=&quot;296&quot; alt=&quot;Auf zum Feiern!&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/stelabrasil/images/PICT3975.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
Jeden Abend geht es zusammen aufs Fest auf den Platz in der Stadtmitte, es spielen Bands, es gibt Umzüge der verschiedenen blocos (Karnevalsgruppen). Auch hier ist man nie allein, immer hat jemand aus der Familie ein sorgendes Auge auf einen, wird Essen und Trinken miteinander geteilt, niemand muss im Dunkeln allein nach Hause gehen.&lt;br /&gt;
Ich bin mittendrin und fühle mich sauwohl. Die Offenheit, Herzlichkeit und Aufrichtigkeit der Menschen hier tut mir gut. Hier erlebe ich vieles, was ich in meinem Zuhause in São Luís einfach vermisse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann nimmt Wilson mich einen Nachmittag mit zum Haus der Grosseltern von Jane, ausserhalb der Stadt. Die Regenzeit hat das Land verwandelt: Dort, wo zur Trockenzeit alles in tristem, dürr staubigem Braun vor sich hindürstet, spriesst jetzt in aller Üppigkeit ein fettes, saftiges Grün. Vor uns breitet sich eine scheinbar endlos weite grüne Ebene aus, durchsetzt von Senken, die mit warmem, kristallklarem Wasser gefüllt sind; grosse Viehherden weiden auf ihr. Der Lago de Viana ist ein periodischer See, der in der Regenzeit die ganze Ebene mit Wasser füllt und im hiesigen Winter austrocknet. &lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;Der Lago da Viana&quot; height=&quot;296&quot; alt=&quot;Der Lago da Viana&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/stelabrasil/images/PICT3956.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
Wir lassen das Motorrad stehen und gehen barfuss über die Grasebene, waten durch die Wassergräben unter prallendheisser Sonne bis zur Insel, auf der Wilsons Schwiegereltern wohnen. Auch hier: Alles einfachst, alles herzlichst. Es werden Neuigkeiten ausgetauscht. Ich soll erzählen. Der Alte Herr zeigt mir stolz den Garten, in dem er Mais anpflanzt. Die Menschen leben vom Fischfang, vom Gemüseanbau, von der Rinderaufzucht; mit Sicherheit arm, aber  wie sie sagen  besser als die Armen in der Stadt.&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;Wilson mit Schwiegereltern und Familie&quot; height=&quot;296&quot; alt=&quot;Wilson mit Schwiegereltern und Familie&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/stelabrasil/images/PICT3960.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
Hier scheint es keine Zeit zu geben. Für die Kinder scheint es das Paradies zu sein, das Strahlen des weiten Himmels spiegelt sich in ihren Augen wider. Doch was wird sein, wenn sie arbeiten, Geld verdienen müssen? Die Grossstadt lockt. &lt;br /&gt;
Der Abschied von Matinha am Mittwoch fällt mir schwer; ein Stück meines Herzens bleibt hier. Als ich in die  wie es mir scheint  Grabeseinsamkeit meines Zuhauses in São Luís komme, will ich niemand sehen.&lt;br /&gt;
Was bleibt, sind Erinnerungen: an eine nächtliche Fahrt zu dritt samt Koffer auf einem Motorrad über eine vom Regen aufgeweichte Schlammpiste; an Janes Mutter, die innerhalb eines Tages an der Nähmaschine aus Karnevals-Trikots für alle Mädels modische Tops zaubert, jedes ein Unikat; an Paulinho, der mit dem Auto absichtlich und vorsätzlich ein Schwein anfährt, das gerade über die Strasse läuft, um es zum Essen mit nach Hause zu nehmen. (Das Schwein konnte entkommen.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Schlussteil&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Im April wollen mich meine Eltern hier besuchen kommen, was mich besonders freut, da sie dann ein Stück von meinem Leben hier hautnah kennenlernen können.&lt;br /&gt;
Doch zunächst einmal freu ich mich darauf, wenn Montag  hoffentlich  wieder der Alltag mit Arbeit und Aufgaben losgeht.</description>
    <dc:creator>stelabrasil</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 stelabrasil</dc:rights>
    <dc:date>2008-02-12T01:41:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://stelabrasil.twoday.net/stories/4549251/">
    <title>Es geht voran</title>
    <link>http://stelabrasil.twoday.net/stories/4549251/</link>
    <description>Viel hat sich in meinem Alltag hier in São Luís verändert seit meinem letzten Rundbrief und ich kann sagen, dass es sich zum Positiven entwickelt hat (auch wenn es vorher schon gut war). Zunächst haben sich meine sprachlichen Fähigkeiten vebessert. Ich stottere mir oft zwar immer noch einen zurecht, aber es stottert sich schon viel besser &#61514;, ausserdem gelingt es mir mittlerweile einer Predigt in der Messe komplett zu folgen und bestimmte Leute, mit denen ich mehr zu tun habe, verstehe ich hundertprozentig. Es wird also langsam.&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;Blick über Alemanha&quot; height=&quot;296&quot; alt=&quot;Blick über Alemanha&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/stelabrasil/images/PICT3461.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
In meiner Gastfamilie ist es zwar leider so, dass jeder sein Leben eher für sich lebt und wir wenig gemeinsam tun  z.B. haben wir noch nie alle 3 gemeinsam eine Mahlzeit zu uns genommen. Andere sagen mir, die verstorbene Mutter habe die Familie zusammengehalten; und sie fehlt natürlich jetzt  doch habe ich mittlerweile einige Beziehungen geknüpft, die mich unabhängiger von der Familie machen. Ich habe z.B. Anschluss an eine Gruppe von jungen Leuten aus der Pfarrei gefunden, die sich erst kürzlich gegründet und sich zum Ziel gesetzt hat, Evangelisierung durch soziale Projekte in der Pfarrei zu betreiben. Inzwischen treffe ich auch im Bus oder im Stadtzentrum bekannte Leute, die einen grüssen und mit denen man schwatzen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am meisten hat sich wohl an meiner Arbeit im Centro Beneficente verändert. Ich bin nicht mehr nur der passive Beobachter, sondern bringe mich nun in die Gestaltung des Gruppenalltags mit ein. Zum einen arbeite ich mit den Kinder thematisch, und zwar in der Form, dass ich jeden Tag der Woche in eine andere Gruppe gehe und dort eine Einheit von ca. einer Stunde durchführe. Einmal habe ich ihnen z.B. gezeigt, wie man die Uhr liest, in der Adventszeit nun habe ich thematisch eben zum Advent mit ihnen gearbeitet. Ansonsten begleite ich weiterhin die professoras in ihren Klassen.&lt;br /&gt;
Weiterhin habe ich einen Chor für die Kinder ins Leben gerufen, der seit dem 13. November dienstags und donnerstags zu Gitarrenbegleitung Lieder einstudiert  jedenfalls versuche ich das. Da die meisten unserer Kinder nie gelernt haben, für längere Zeit auf eine Sache konzentriert zu sein, geht die meiste Zeit damit verloren, unter den 24 Kindern des Chores für Ruhe zu sorgen, Streit zu schlichten, den Toilettengang in der Pause unter Kontrolle zu halten u.a. Wir arbeiten aber an der Konzentration und auch wenn noch wenige die richtigen Töne treffen, so gibt es doch kleine Fortschritte, z.B. hören sie schon am Gitarrenvorspiel heraus, wann sie einsetzen müssen. Es ist zwar oft total anstrengend, aber ich will auf jeden Fall dranbleiben. Unseren ersten Auftritt werden wir auf der Weihnachts- und Jahresabschlussfeier des Centro am 19. Dezember haben, vor den Familien, Freunden und Unterstützern. Bei der Generalprobe auf der Bühne, waren die Kinder sogar so diszipliniert und konzentriert bei der Sache, dass ich sie nicht wiedererkannt habe.&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;Erster Auftritt des Chores auf der Jahresabschlussfeier des Centro&quot; height=&quot;296&quot; alt=&quot;Erster Auftritt des Chores auf der Jahresabschlussfeier des Centro&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/stelabrasil/images/PICT3465.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Ferien&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Nach er Abschlussfeier schliesst das Centro seine Pforten und während die Kinder des PETI-Programmes, welches ein staatliches ist, bereits ab dem 2. Januar wiederkommen, beginnt für die Kinder des Programmes CAFE der Unterricht erst wieder nach den Kanevalstagen am 11. Februar. (In Brasilien gibt es keine einheitlichen Schulferien. Es gibt nur einen vorgegebenen Zeitraum, in dem die Schulen individuell ihre Ferien festlegen können.) Einige Kinder, die noch nicht lesen und schreiben können, z.T. Drittklässler, bekommen im November gezielte Nachhilfe zur Alphabetisierung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich selbst werde den Januar wohl zum Reisen nutzen. Zum einen möchte ich meine Freunde in Natal besuchen, die zum Weltjugendtag bei uns in Heiligenstadt waren, zum anderen nehme ich am 8-tägigen Freiwilligenseminar in Salvador de Bahia teil und anschliessend wollen wir Missionare der Franziskaner noch einige Tage gemeinsam dort die Stadt kennenlernen und geniessen. So werde ich dann wohl Ende Januar wieder nach São Luís zurückkehren. Auch wenn ich mich auf diese Zeit des Atemholens freue, werden mir doch sehr die Kinder des Centro fehlen  sie fehlen mir schon jetzt, wenn ich nur an die Ferien denke.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Eine Prozession und eine Lektion&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Am vergangenen Samstag wurde mir mein Portemonnaie aus der Hosentasche gestohlen. Ich hatte mit Anne und einer befreundeten Familie an einer Prozession anlässlich des Festes Maria Empfängnis in der Stadt teilgenommen und es war auch zunächst eine tolle und beeindruckende Sache:&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;Anne und die Familie von Wilson bei der Prozession&quot; height=&quot;296&quot; alt=&quot;Anne und die Familie von Wilson bei der Prozession&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/stelabrasil/images/PICT3331.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
Tausende Menschen ziehen nach einer Messe am Ufer des Rio Bacanga in ausgelassener Feierstimmung singend und tanzend, begleitet von einem Wagen, der eine aufwendig geschmückte Statue der Muttergottes trägt, durch die Strassen der Stadt zu einer der Hauptkirchen. &lt;br /&gt;
Das ist so gänzlich anders als in Deutschland. Ich liebe die Ernsthaftigkeit und Feierlichkeit einer Heiligenstädter Palmsonntagsprozession, doch es ist schon eindrucksvoll, in was für einer Lebensfreude hier der Glaube der Menschen Ausdruck findet. (Gleichwohl vermisse ich auch oft die ernsthafte Feierlichkeit einer ordentlichen deutschen Liturgie.) &lt;br /&gt;
Begleitet wird der jubelnde Zug von mehreren Musikwagen, die eigentlich nur aus riesigen Lautsprechern und einem riesigen Motor, der die nötige Energie liefert, bestehen. Obenauf spielt auf einer Plattform eine Band und steht einer der Priester, der abwechselnd tanzt und den Rosenkranz vorbetet. Es ist äusserst gefährlich für das Gehör, sich in der Nähe eines solchen Musikwagens aufzuhalten, da die Lautstärke nach dem Motto Ganz oder gar nicht gehandhabt wird  ähnlich wie bei den brasilianischen Klimaanlagen. Eigentlich müsste die Hälfte der Bevölkerung unter gravierenden Gehörschäden leiden.&lt;br /&gt;
Auf dem Prozessionsweg gerieten wir jedenfalls in ein grosses Gedränge und kurz darauf stellte ich fest, dass mein Portemonnaie fehlte. Es befand sich glücklicherweise nichts Lebenswichtiges darin, nur eine Summe Geld, mit der ich ein Paket habe aufgeben wollen. Das Portemonnaie ist dann einige Tage später  natürlich ohne Geld  von der Strassenreinigung gefunden und mir zugestellt worden.&lt;br /&gt;
Was lern ich daraus? Vorsicht, Vorsicht und nochmals Vorsicht. Was bleibt, ist leider ein generelles Misstrauen gegenüber jedem Menschen, der mir auf der Strasse begegnet, was den meisten natürlich unrecht tut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Gewalt  eine unendliche Geschichte?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
In meinem letzten Rundbrief habe ich ausführlich über die täglichen Eskalationen der Gewalt berichtet. Dazu nun als Ergänzung, wie die Menschen damit leben, bzw. wie sie darauf reagieren.&lt;br /&gt;
Zum einen durch Vermeidung, Abschottung, Rückzug:&lt;br /&gt;
Kürzlich ist ein junger Mann, ein Mitglied einer Gang, in das Haus von Antônia, einer unserer Köchinnen, eingedrungen, weil er sich auf der Flucht vor einer anderen Gang verstecken wollte. Antônia, ihr Bruder und ihr kleiner Sohn waren zu Hause. Der Eindringling hat das Kind vom Fenster weggestossen, als er durch selbiges eingestiegen ist, hat aber sonst offenbar der Familie keinen physischen Schaden zugefügt. Nicht auszudenken, was passiert wäre, hätten die Verfolger den Flüchtling hier gefunden. Antônia öffnet jedenfalls seitdem das Fenster nicht mehr. (Zum Verständnis: Das heisst, dass ständig die Läden geschlossen bleiben, da es keine Scheibe hat.)&lt;br /&gt;
Eltern lassen ihre Kinder nach Einbruch der Dunkelheit (ca. 18.30 Uhr) nicht mehr auf der Strasse spielen, Jugendgruppen der Pfarrei verlegen ihre Treffen vom Abend auf den Nachmittag, damit sich die Mitglieder nicht zu spät auf den Heimweg machen müssen. Einige Kinder unseres Chores, die anfangs mitgesungen haben, wurden von ihren Eltern wieder abgemeldet, da der Heimweg nach Probenende (18.30 Uhr) zu gefährlich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein anderer Weg ist, die Lösung des Problems zu einer Angelegenheit des gesamten Gemeinwesens zu machen:&lt;br /&gt;
Die Pfarrei Nossa Senhora da Glória hatte zu mehreren Treffen zum Thema Sicherheit in Alemanha eingeladen, die auf grosse Resonanz gestossen sind. Es wurde erörtert, wie dem Problem der Gewalt begegnet werden kann. Einerseits beschloss man, an einer Friedenserziehung der Bewohner zu arbeiten, andererseits forderte man von den Sicherheitskräften verstärkte Präsenz. In den ersten Wochen nach den Versammlungen sah man auch Militärpolizei an einigen Ecken von Alemanha stehen. Diese ist aber mittlerweile wieder abgezogen. Wahrscheinlich ist ihnen das arme Alemanha so wichtig auch wieder nicht. Ich selbst habe in der letzten Zeit weniger über Gewaltausbrüche gehört, was aber nichts heissen soll.&lt;br /&gt;
Solange Armut, Arbeits- und Perspektivlosigkeit die Oberhand behält, wird hier auch die Gewalt und Kriminalität nicht eingedämmt werden. Hier ist die Politik gefordert, v.a. was eine verbesserte (Schul-)Bildung angeht, die m.E. einer der Schlüssel für eine Verbesserung der Situation wäre. Aber Politik in Brasilien ist eine andere unendliche Geschichte...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Besuche in den Gemeinden&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Zu unserer Pfarrei Nossa Senhora da Glória, die von den Franziskanern betreut wird, gehören eine Reihe von comunidades, in Deutschland würde man sagen Filialgemeinden  13 an der Zahl. Um diese Gemeinden nach und nach kennenzulernen, begleite ich an den Wochenenden die Franziskaner zu den Kirchen, wo sie Gottesdienst halten. Sie sind schon recht verschieden, die einzelnen Gemeinden mit ihrer je eigenen Prägung. Einige der Kirchen sind klein, schlicht und einfach, andere ziemlich gross und geschmückt. &lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;Die Ministranten von São Aloisio Gonzaga, Barreto&quot; height=&quot;400&quot; alt=&quot;Die Ministranten von São Aloisio Gonzaga, Barreto&quot; width=&quot;296&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/stelabrasil/images/PICT3382.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
Einige Gemeinden sind sehr lebendig und selbständig, bereiten die Menschen auf den Empfang der Sakramente vor, führen Bau- und Renovierungsarbeiten selbständig durch; andere sind abhängiger von der Unterstützung durch die Pfarrei. Die meisten Kirchen stehen in armen Stadtvierteln, teilweise  wie die Palafitas  nahe am Fluss gebaut, teilweise sitzen marihuanarauchende Drogenabhängige direkt gegenüber der Kirchentür. Aber ich denke, gerade hier gehört Kirche hin und muss Kirche Präsenz zeigen, für die Menschen und ihre Nöte da sein. Nicht zuletzt, weil gerade unter den Armen die evangelikalen Sekten (nicht zu verwechseln mit den evangelischen bzw. protestantischen Kirchen) der katholischen Kirche aggressiv Gläubige abwerben. Aber dazu werde ich später mal ausführlicher schreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;MaZler-Treffen in Bacabal&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Anfang Dezember hatten wir ein Reflexionstreffen von uns 5 deutschen Missionaren der Franziskaner in Bacabal. Dort haben wir gemeinsam mit den für uns zuständigen Franziskanerbrüdern unsere Erfahrungen und unsere Situation besprochen, auch, was für zukünftige Missionare auf Zeit anders gemacht werden sollte. Ich hab das Treffen, das leider nur einen Tag gedauert hat, sehr genossen, denn es tat gut, sich einfach  auf deutsch!  über unsere Sorgen und Nöte auszutauschen. &lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;Es wird deutsch gesprochen&quot; height=&quot;296&quot; alt=&quot;Es wird deutsch gesprochen&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/stelabrasil/images/PICT3324.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
Z.B. haben wir festgestellt, dass es fast allen in ihren Familien ähnlich wie mir geht (s.o.). Für zwei von ihnen, Hanna und Elena, die nur ein halbes Jahr hier bleiben, neigt sich die Zeit schon dem Ende zu. Und ich bin froh, ein Jahr bleiben zu können, denn ich fange gerade erst an, richtig zu verstehen, hineinzuwachsen und mich einzubringen. &lt;br /&gt;
In Bacabal, das übrigens ca. 4 Stunden mit dem Bus von hier entfernt ist, hab ich auch Frei Eurico, Bruder Erich Löher, einen Franziskaner aus meiner Heimatgemeinde, getroffen, der hier lebt und arbeitet. Ich hatte ihn schon im Sommer in Deutschland während seines Heimaturlaubs getroffen und er hatte an unserer Aussendungsmesse in Dortmund teilgenommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der Reflexion spielte auch die Frage eine Rolle, inwieweit wir, die wir ja als Missionare auf Zeit hierhingekommen sind, unsere Rolle und unseren Auftrag als Missionar sehen und verstehen. Was bedeutet Missionar-Sein in der Arbeit in unseren Projekten, in unserem Lebensumfeld? Bedeutet das, immer mit dem Evangelium in der Hand herumzulaufen und nur von Gott zu erzählen? &lt;br /&gt;
Ich habe mal mit Dona Violeta darüber gesprochen, dass ich das Gefühl hätte, immer nur etwas von den Menschen zu empfangen, aber selbst wenig geben zu können. Sie sagte, dass es schon ausreichen würde, dass ich nur hier sei, dass allein meine Präsenz, die Tatsache, dass ich eine Zeit meines Lebens hier verbringe, schon Zeichen genug sei für die Menschen und ihnen viel geben würde. &lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;Wir MaZler mit den verantwortlichen Franziskanern in Bacabal&quot; height=&quot;296&quot; alt=&quot;Wir MaZler mit den verantwortlichen Franziskanern in Bacabal&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/stelabrasil/images/PICT3326.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
Ich denke oft, dass ich in meinem Leben schon so viel von Gottes Liebe erhalten habe, in dem, was ich erlebt habe, in dem, was andere Menschen mir Gutes getan haben, auch in dem, was ich hier tagtäglich erfahre. Dies drängt mich dazu, diese Liebe weiterzuschenken an andere, besonders die, die sie besonders nötig haben. In all meiner (sprachlichen) Beschränktheit ist oft ein Lächeln, ein aufmunterndes Schulterklopfen das einzige, was ich geben kann. Meist habe ich dann vorher schon selbst ein Lächeln, eine Aufmunterung von den Menschen hier, von den Kindern im Centro erhalten. Ich glaube, das ist unsere Mission: die Liebe Gottes weitergeben, durch unsere Präsenz zeigen, dass uns im reichen Europa die Armen Brasiliens nicht egal sind und auskunftsfähig sein, wenn ich gefragt werde, warum ich dies hier tue.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Dem Geheimnis näher&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
In meinem ersten Bericht hatte ich über meine Erlebnisse bei Besuchen in den Favelas erzählt und dass ich dem Geheimnis der unbeschreiblich strahlenden Augen der Kinder auf den Grund gehen wollte, die in diesem Elend aufwachsen müssen. &lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;296&quot; alt=&quot;PICT3286&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/stelabrasil/images/PICT3286.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
Ich habe nun eine erste Antwort erhalten. Mary, eine der Lehrerinnen des Centro erzählte mir von ihrer Kindheit hier in Alemanha. Sie ist in einer elfköpfigen Familie aufgewachsen, die ein kleines Häuschen mit nur zwei Räumen bewohnt hat. Das Kinderleben spielte sich meist auf der Strasse ab, es fehlte oft an vielem. Doch haben ihre Eltern ihren Kindern immer das Gefühl gegeben, dass sie  gerade wegen der Armut  das Wichtigste, der grösste Schatz in ihrem Leben sind. Mary beschrieb ihre Kindheit deshalb trotz aller Einschränkungen als herrlich und wunderbar.&lt;br /&gt;
Wahrscheinlich ist dies ein Teil des Geheimnisses. Ich beobachte, dass Kinder hier allgemein mit mehr Zärtlichkeit behandelt werden als in Deutschland. Ich glaube, die Erwachsenen sind sich mehr bewusst, dass Kinder ihr grösster Schatz sind. Leider erleben nicht alle Kinder solche Liebe. Es kam mal ein 6jähriges Mädchen ins Centro, das von ihrer Mutter grün und blau geschlagen worden war (In diesem Fall haben die Mitarbeiter des Centro interveniert), es hauen Kinder von zu Hause ab, weil sie es nicht aushalten, Kinder werden vernachlässigt und erleben Gewalt...&lt;br /&gt;
Kinder strahlen auch nicht immer. Sie sind todtraurig, wütend, streiten, schlagen...</description>
    <dc:creator>stelabrasil</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 stelabrasil</dc:rights>
    <dc:date>2007-12-20T02:18:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://stelabrasil.twoday.net/stories/4412275/">
    <title>Klappe, die Zweite</title>
    <link>http://stelabrasil.twoday.net/stories/4412275/</link>
    <description>Ein Monat voller Geschehnisse und Eindrücke warten darauf, zusammengefasst und in Worte gekleidet zu werden, um Euch in der Heimat an meinem Leben hier in São Luís teilhaben zu lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich bin wohlauf und mir geht es gut. Mit meinen Portigiesischkenntnissen ist es leicht besser geworden, ich bilde mir ein, mehr zu verstehen. Nichtsdestotrotz habe ich in der vorletzten Woche mit Sprachunterricht begonnen. Schwester Teresinha, eine Franziskanerin, die selbst auch Deutsch gelernt hat, betreibt mit mir v.a. Konversation. Ich hoffe, dass das meiner schrecklichen Ungeduld, doch bald alles verstehen und sagen zu wollen, entgegenkommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Alltägliches Leben&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Es kommt mir immer seltsam vor, wenn die Leute sagen, dass das Jahr sich ja schon dem Ende zuneigt. Mir fehlen aber die farbigen Herbstblätter und die zunehmende Kühle, um mich der Jahreswende nahe (oder bald gar adventlich) fühlen zu können. Stattdessen ist es hier täglich recht heiss, um die 28-33°C, und die Sonne scheint an einem ungewöhnlich strahlend blauen Himmel. Es ist oft leicht bewölkt und es geht ein frischer Wind, der etwas Kühlung vom nahen Meer mit sich bringt. Geregnet hat es, seit ich hier bin, dreimal.&lt;br /&gt;
Interessant ist: Da São Luís sich auf etwa zweieinhalb Grad südlicher Breite befindet, steht die Sonne mittags so hoch, dass man fast keinen Schatten wirft. Noch interessanter: Als ich hier ankam (vor der September-Tagundnachtgleiche), bewegte sich die Sonne für den Betrachter auf der Erde von rechts nach links, jetzt, nachdem sie hier den Zenit überschritten hat, von links nach rechts.&lt;br /&gt;
Morgens geht zwischen fünf und sechs die Sonne auf, abends zwischen sechs und sieben unter, zwanzig Minuten später ist es dunkel. Ich hab so ein Sommergefühl (wegen der Wärme), aber es gibt keine langen Abende (leider!). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch wenn ich hier Farbe bekommen habe, bin ich im Vergleich mit den Menschen hier immer noch branco (weiss). Neulich hat eines der Kinder im Centro versucht, mir etwas von seiner dunklen Hautfarbe abzugeben. Erst rieb es kräftig mit er Hand an seiner Wange und danach an meinem Arm. Es hat aber nicht funtioniert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier fährt manchmal jemand mit dem Fahrrad durch unser Viertel, eine Kiste auf dem Gepäckträger. Er will offenbar irgendwas verkaufen und ruft auch immer etwas durch die Strassen, was ich aber bisher nicht verstehe. Das Ulkige ist nur, dass sich das, was er ruft, so anhört wie der deutsche Satz Die Zeit ist da! Jedesmal, wenn ich ihn höre, denke ich: Da kommt wieder der Rufer in der Wüste, der einsame Prophet, der die Endzeit ankündigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Ausflug nach Pará&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;Mit dem Zug unterwegs&quot; height=&quot;296&quot; alt=&quot;Mit dem Zug unterwegs&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/stelabrasil/images/PICT3092.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
Letztens sind mein Gastvater Heremil, -bruder Carlinhos, Anne, die andere Freiwillige in São Luís, und ich für ein verlängertes Wochenende nach Parauapebas gefahren. Dort wollten wir die nahegelegenen Minen der Companhia Vale do Rio Doce, dem grössten Bergbauunternehmen Brasiliens, besichtigen. Dieser Ausflug war jedoch (jedenfalls für Anne und mich) eher ein Reinfall. Zum ersten fuhren wir mit der unternehmenseigenen Bahn 860 km (in 22 Stunden!) in einem völlig unterkühlten Zugabteil (wer in Brasilien eine Klimaanlage besitzt, stellt sie grundsätztlich immer auf 100% Leistung ein, Abstufungen scheint man nicht zu kennen) in den benachbarten Bundesstaat Pará. Dort in Parauapebas angekommen stellte sich heraus, dass wir die Minen gar nicht besuchen dürfen, ohne an einem einwöchigen Sicherheitstraining teilzunehmen. Nun sassen wir also in einem Kaff, wo es ausser Restaurants absolut nichts gab, während Heremil mit einer Grippe im Hotelzimmer lag. Am zweiten Tag sollten wir doch zumindest Carajás, ein Städtchen, nur für Mitarbeiter des Bergbauunternehmens erbaut, besuchen. Dort gab es allerdings noch weniger zu entdecken als in Parauapebas (wenn man nicht gerade ein Faible für sehr deutsch anmutende Vorgärten hat  bei der Companhia arbeiten auch einige Deutsche), so dass wir (eher aus Verzweiflung) den dortigen  Man höre und staune!  Zoo besuchten. Alles in allem war diese Reise ein ziemlich aufwendiger und kostspieliger Zoobesuch, den wir so auch in Deutschland gehabt haben könnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Projekt Centro Beneficente Nossa Senhora da Glória&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Ich möchte Euch diesmal einiges zu dem Projekt erzählen, in dem ich dieses Jahr verbringe. &lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;Der Eingang zum Centro Beneficente&quot; height=&quot;296&quot; alt=&quot;Der Eingang zum Centro Beneficente&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/stelabrasil/images/PICT3130.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
Im Jahr 1992 entschloss sich eine Gruppe von engagierten Gemeindemitgliedern der Franziskanerpfarrei Nossa Senhora da Glória, mit ihrem Beitrag zur Errichtung des Reiches Gottes Ernst zu machen und ein Zentrum, einen Treffpunkt, zu gründen, in dem soziale Dienste für die Gemeinschaft und besonders die Bedürftigen angeboten werden. Dies geschah in Alemanha, dem Stadtviertel, in dem die meisten dieser Gemeindemitglieder wohnen. Zu den Gründern gehört auch mein Gastvater Heremil und seine verstorbene Frau. Man gründete einen Trägerverein als Rechtsträger und erwarb ein Grundstück, auf dem die heutigen Gebäude des Centro errichtet wurden.&lt;br /&gt;
Der Schwerpunkt liegt bis heute in der Arbeit mit Kindern aus Alemanha und nahegelegenen Vierteln (Vila Palmeira, Ipase, João Paulo). &lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;Damespiel mit Flaschendeckeln&quot; height=&quot;296&quot; alt=&quot;Damespiel mit Flaschendeckeln&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/stelabrasil/images/PICT3111.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
Daneben hat sich ein breites Spektrum an Angeboten für das Gemeinwesen, die comunidade, entwickelt. Z.B. gibt es momentan eine Seniorengruppe, Vorträge für Mütter u.a. zu gesunder Ernährung, Kurse zur Vorbereitung auf die Aufnahmeprüfung an Universitäten (vestibular) oder zur Alphabetisation von Erwachsenen, es werden juristische und medizinische Hilfen vermittelt. Im Centro treffen sich Gebetsgruppen, finden Katechesen für Taufbewerber statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Arbeit mit den Kindern gliedert sich in 2 Bereiche oder Programme:&lt;br /&gt;
1) &lt;b&gt;PETI&lt;/b&gt; (Programma da erradicação do trabalho infantil = Programm zur Auslöschung der Kinderarbeit):&lt;br /&gt;
Obwohl in Brasilien Kinderarbeit verboten ist  erst ab 16 Jahren ist es erlaubt zu arbeiten, bzw. ab 14 im Rahmen einer Ausbildung , gehören arbeitende Kinder zum Alltag und zum Strassenbild. (Unser Bundesstaat, Maranhão, hatte 2001 die höchste Kinderarbeitsquote Brasiliens mit offiziell 22%, das waren über 400.000 Kinder zwischen 5 und 17 Jahren.) Kinder stehen an Ampelkreuzungen und verteilen Werbezettel oder waschen Autoscheiben, sie verkaufen Getränke, Gebäck oder anderes auf der Strasse, sie fahren mit Schubkarren Leuten die Enkäufe von den Märkten nach Hause, sie arbeiten in fremden Haushalten... Ihr Verdienst ist oft unverzichtbar für das Überleben der Familien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PETI ist ein Regierungsprogramm, das Familien davon abhalten soll, ihre Kinder arbeiten zu schicken und funktioniert so, bzw. soll so funktionieren: Besonders bedürftige Familien erhalten einen monatlichen staatlichen Zuschuss von 80 Reais (ca. 31 Euro) für jedes Kind, das am PETI teilnimmt. Diese Kinder sind verpflichtet, zum einen die Schule zu besuchen und zum anderen den Rest des Tages in einem Zentrum wie dem unseren zu verbringen, wo sie kulturelle, sportliche oder andere Freizeitangebote wahrnehmen. Auf diese Weise soll ihnen eine kindgemässe Entwicklung ermöglicht und sie von der Arbeit auf der Strasse (welche nicht selten in ein Leben auf der Strasse mündet) abgehalten werden. So die Theorie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Realität sieht es leider zur Zeit so aus, dass die Bundesregierung das PETI mit anderen staatlichen Programmen zur Bekämpfung der Armut zusammenlegen will und deshalb die Verwaltung dafür in Brasília zentralisiert hat. Dies bringt mit sich, dass von der fernen Hauptstadt aus keine Aufsicht darüber stattfindet, ob die Familien wirklich noch hilfsbedürftig sind, ob die Kinder wirklich zur Schule und ins Centro gehen usw. Viele Eltern erhalten derzeit also ihren Zuschuss und schicken ihre Kinder trotzdem zum Arbeiten. Aus diesem Grund kommen aktuell von den über 50 PETI-Kindern nur etwa 15 bis 20 mehr oder weniger regelmässig zu uns. Den Mitarbeitern des Centro sind dabei die Hände gebunden, sie können nur klagen. Ein PETI-Kurs findet montags bis freitags am Vormittag (8-11 Uhr) und einer am Nachmittag (14.30-17.00 Uhr) statt.&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;296&quot; alt=&quot;PICT2837&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/stelabrasil/images/PICT2837.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
2) Der zweite Bereich für Kinder nennt sich &lt;b&gt;CAFE&lt;/b&gt; (Centro de apoio familiar e escolar = Zentrum für familiäre und schulische Unterstützung):&lt;br /&gt;
Ziel dieses Programmes ist es, Kinder und ihre Familien so zu fördern und zu unterstützen, dass ihr Verbleib in der Familie gesichert ist und Kinderarbeit vorgebeugt wird. Dies geschieht vor allem durch schulische Förderung, Nachhilfe, aber auch gemeinsames Spielen und Singen. Derzeit nehmen etwa 100 Kinder montags bis freitags von 14-17 Uhr an diesem Programm teil. Sie kommen freiwillig oder werden von ihren Eltern geschickt. Es gibt 4 Gruppen, altermässig aufgeteilt: 4-6 Jahre (Vorschule), 6-7, 8-9 und 10-14 Jahre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sowohl die PETI- als auch die CAFE-Kinder werden mehrmals im Jahr von den professoras in ihren Familien besucht und es gibt regelmässige Elternversammlungen. Einige Mütter helfen auch nachmittags in unserer Küche mit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Centro arbeitet ausserdem mit Fachschulen für Ergotherapie und Logopädie zusammen, deren Schüler im Rahmen der praktischen Ausbildung mit den Kindern oder Senioren arbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie schon im letzten Brief erwähnt, bin ich in diesen ersten Wochen einfach nur mitgelaufen, um das Projekt und die einzelnen Gruppen, die Kinder und Mitarbeiter näher kennenzulernen. So hab ich auch eine Woche vormittags in der Küche geholfen. Dies alles war sinnvoll und notwendig, doch ist in mir eine Unzufriedenheit gewachsen: Ich will nicht nur dasitzen, zuschauen und, wenn´s geht, hier und da helfen. Ich will auch endlich selbst in eigener Verantwortung Angebote machen. Und so hatte ich in dieser Woche ein Gespräch mit Dona Violeta, der assessora especial des Centro, die das genauso sieht und hab mit ihr vereinbart, dass ich in Kürze einen Kinderchor initiieren und regelmässig in den CAFE-Gruppen Angebote machen werde. Ausserdem plant sie, mit einer Gang von Jugendlichen in Alemanha zu arbeiten und ich soll ihr helfen, diese Arbeit anzustossen. Besonders auf das Projekt Kinderchor freue ich mich und bin gespannt, wie es anlaufen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dona Violeta ist übrigens eine bemerkenswerte Frau: Als Mitglied im Centro von der ersten Stunde an ist sie etwa Anfang 60. Obwohl sie einer reichen Familie angehört  ihr Mann ist Richter und Universitätsprofessor  scheut sie sich nicht, bei Hausbesuchen in der Favela einer pflegebedürftigen Grossmutter ins Bett zu helfen, bei einem Gemeindefest spontan die Gäste zu bedienen oder bei einem Ausflug der Mitarbeiter des Centro mit uns im Pool herumzualbern. Sie gibt sozusagen die inhaltliche Grundrichtung unseres Projektes vor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Armut und Gewalt&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Kürzlich ist passiert, was früher oder später passieren musste: Eines der Dilemmata, in die man als Freiwilliger aus Europa geraten kann und mit denen wir uns in der Vorbereitung so lang auseinandergesetzt haben. Ein Kind (7 Jahre), das ich erst den zweiten Tag im Projekt kenne, sagt zu mir: Deine Uhr ist wirklich schön. Und kurz darauf: Tio (Onkel), kaufst Du mir auch so eine Uhr? &lt;br /&gt;
Da steht man jetzt, sieht dieses Kind mit seinen grossen hoffnungsvollen Augen, weiss, dass seine Eltern ihm soetwas nicht kaufen können, weiss auch, dass man 10 Kindern solch eine Uhr (eine billige aus Deutschland) bezahlen könnte, ohne in schwerwiegende finanzielle Nöte zu geraten, fragt sich  wenn man es tun würde : was würden die anderen Kinder denken, was würde das an der Situation des Kindes und seiner Familie ändern, was bekämen die Menschen dadurch für ein Bild vermittelt von uns Deutschen?&lt;br /&gt;
Egal, wie man sich entscheidet, und egal, wie die beschriebene Situation ausgegangen ist: Ein mulmiges Gefühl bleibt; Unzufriedenheit mit sich selbst, Machtlosigkeit gegenüber den Ursachen von Armut und die Frage nach der Ungerechtigkeit in der Welt...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Letztens brachte Heremil ein junges Mädchen mit nach Hause, die 13jährige Tochter eines Bekannten aus der Umgebung von São Luís. Ich wollte erst meinen Augen nicht trauen, aber dieses kleine Mädchen war hochschwanger. Von einem 15jährigen. Heremil sagte, das sei auf dem Land gar nicht so selten. Das Mädchen blieb ein paar Tage hier im Haus, was es sichtlich genoss, nähte mit Regina, unserer Haushaltshilfe, Kleider für das Kind und liess sich von Heremils Schwester bemuttern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erschreckend ist die Gewalt, die in den Stadtvierteln herrscht und die Selbstverständlichkeit, mit der die Kinder in diesem Klima der allgegenwärtigen  und meist sinnlosen  Gewalt aufwachsen. Einmal bekamen sie im Centro die Aufgabe, aufzuschreiben, wo sie in ihrem Umfeld Gewalt erleben. Ohne Schwierigkeiten hatten selbst die Jüngsten schnell ein Dutzend Erscheinungsformen gesammelt, die sie aus ihrer Erfahrung kennen: Schlägereien, Gewalt in der Familie, Drogen- und Bandenkriminalität...&lt;br /&gt;
Als mich letztens Kinder im Centro mit Fragen über Deutschland löcherten, fragten sie auch, ob es in der Strasse, in der ich (in Deutschland) wohne, auch Schlägereien/Kämpfe gebe. Dies konnte ich gottlob verneinen, worauf die Kinder erzählten, dass bei ihnen auf der Strasse täglich gekämpft würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sonntag abend gab es auf einer Geburtstagsfeier in der Favela in Alemanha einen handfesten Streit, der damit endete, dass ein Mann einen anderen mit einem Grillspiess erstochen hat. Das ganze vor den Augen der Feiernden. Da das Opfer der Onkel eines der Mädchen war, die in unser Centro kommen, und einige unserer Kinder diese Gewalttat mit eigenen Augen mitangesehen haben, war dieses Drama unter den Kindern am Montag Thema. Einige waren sichtlich betroffen, für andere war es mehr eine Sensation oder offensichtlich Alltäglichkeit, wieder andere haben die Szene nachgepielt. Leider konnte ich nicht mitbekommen, ob und wie die professoras dieses Thema in ihren einzelnen Gruppen aufgegriffen haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders betroffen gemacht und berührt hat mich folgende Begebenheit: Ein 14jähriger Junge, der früher das Centro Beneficente besucht hat, ist Samstag Nacht von Mitgliedern einer Gang auf der Strasse angegriffen und mit Messern so stark verwundet worden, dass er ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. Nach einer Operation fiel er ins Koma, aus dem er nicht wieder aufwachte. Donnerstag frühs ist er gestorben.&lt;br /&gt;
Mary und ich sind am Freitag (Allerseelen) mit zur Beerdigung gefahren. Dazu sind wir zunächst nach Santa Júlia, dem Viertel, wo seine Familie wohnt, gegangen. Dort bot sich uns folgendes Bild: Am Ende einer staubigen Strasse in der Favela  es führt nur noch ein Holzsteg zu den Palafitas weiter  die einfache Holzhütte, in der der Junge mit Mutter und 2 Geschwistern gelebt hat. Stühle stehen davor, auf denen Nachbarn, Freunde Platz genommen haben. Wir gehen in die Hütte hinein. Drinnen, im ersten der beiden Räume, sind etwa 20 Menschen, v.a. Frauen, versammelt. An der Wand ist ein metallenes Kreuz aufgestellt, daneben brennen Kerzen. In der Mitte des Raumes ein offener, einfacher, schmuckloser Holzsarg. Darin der Leichnam des Jungen, bekleidet mit weissem Hemd und hellgrauer Hose, umrahmt von seinen Lieblingskleidungsstücken. Es herrscht eine gedrückte Stille, von draussen dringen die Stimmen der Männer hinein, die neben der Hütte sitzen. Einer der Franziskaner, die die Pfarrei betreuen, tritt in liturgischer Kleidung aus dem Hinterzimmer und das Totengebet beginnt. Der Junge war nicht getauft, obwohl seine Mutter es war und er direkt gegenüber der Kirche wohnte. &lt;br /&gt;
Ich spreche die Gebete mit, so gut ich kann; mehr kann man in der Situation nicht tun als sich solidarisch mit dem Schmerz der Trauernden zeigen, obwohl ich am liebsten so viel helfen würde. Mir kommen die Lesungen des heutigen Allerseelentags in den Sinn: (Ijob 19, 23-27) Ohne meine Haut, die so zerfetzte, und ohne mein Fleisch werde ich Gott schauen...Danach sehnt sich mein Herz in meiner Brust. Und (Römer 8, 14-23) Die ganze Schöpfung wartet sehnsüchtig auf das Offenbarwerden der Söhne Gottes...Denn wir wissen, dass die gesamte Schöpfung bis zum heutigen Tag seufzt und in Geburtswehen liegt. Ich glaube, der Tod dieses Kindes ist ein Seufzen der Schöpfung, und an uns, Söhne und Töchter Gottes, ist es, daran mitzuarbeiten, das Anbrechen des Reiches Gottes des Friedens offenbar werden zu lassen. Jeder an dem Ort, wo er lebt und wirkt.&lt;br /&gt;
Als das Totengebet beendet ist, trete ich hinaus auf die Strasse. Auf der anderen Seite des Flussarmes sehe ich die Arzneimittelfabrik, die ihre Abwässer ungeklärt in den Fluss entsorgt. Denselben Fluss, in dessen Schlamm die Männer bei Ebbe nach Krebsen suchen und in dem die Kinder baden. Während wir auf den Wagen warten, der den Sarg zum Friedhof transportieren wird, hören wir in der Nähe zwei Schüsse fallen. Es wird Geld gesammelt, weil die Familie die 50 Reais (etwa 17 Euro) für den Bus, der die Trauergemeinde zum Friedhof bringen soll, nicht aufbringen kann. Der Bus kommt und wir steigen mit ein. Er ist gerammelt voll  mit dabei auch Mitglieder einer Gang, der der Tote selbst angehörte. Der Friedhof befindet sich weit, weit ausserhalb von São Luís; wir fahren über eine Stunde lang dorthin. Irgendwann biegen wir von der Hauptstrasse ab, dann wechselt die Strasse von Asphaltbelag zu einer staubigen Sandpiste. &lt;br /&gt;
Der Friedhof: ein Friedhof für Arme, teilweise Grabsteine, teilweise nur ein einfaches Kreuz mit einem Erdhügel davor. Der Sarg des Jungen wird in der Friedhofskapelle aufgestellt, die schon vor langem ihr Dach verloren hat. Und während die Mittagssonne vom Himmel brennt, nehmen die Angehörigen zum letzten Mal Abschied. Dann wird der Sarg geschlossen und in eine Ecke des Gräberfeldes getragen, wo ein Totengräber noch dabei ist, das Grab vollständig auszuheben. Der Sarg wird hinuntergelassen, ein Angehöriger hält noch eine kurze Ansprache und wir beten das Vaterunser. Dann beginnt man damit, das Grab zuzuschaufeln.&lt;br /&gt;
Ich weiss nicht, was der Tod dieses Kindes für einen Sinn hat und ich weiss auch nicht, ob irgendjemand aus diesem schrecklichen Ereignis lernen wird und sich gegen Gewalt entscheidet. Das sind Fragen, die bleiben  an diesem Allerseelentag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachtrag: Heute stand in der Zeitung, dass in einem anderen Stadtteil ein 19jähriger erschossen wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Schönes&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Es passieren aber auch viele schöne Dinge hier: So war ich auf zwei Geburtstagen eingeladen. Dem von Pedro, dem Sohn von Pêpa, einer unserer professoras. Das war eher eine Familienfeier. &lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;Pedro Henrique, das Geburtstagskind&quot; height=&quot;400&quot; alt=&quot;Pedro Henrique, das Geburtstagskind&quot; width=&quot;296&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/stelabrasil/images/PICT3157.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
Obwohl Pêpa im Centro nur wenig verdient und ihr Mann Elias durch Pizzaverkauf nur wenig zum Familienhaushalt beitragen kann, haben sie doch ein eigenes Haus gebaut und haben Träume, wie sie es erweitern und ausbauen wollen. Trotz aller Widrigkeiten wagen sie gemeinsam den Weg in ihre Zukunft, mit Zuversicht und einem gewaltigen Schuss Gottvertrauen. Das ist bewundernswert.&lt;br /&gt;
Der zweite Geburtstag war der von Maysa und Rafaele, den Töchtern von Regina, die bei uns im Haushalt hilft. &lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;Liebevoll hergerichtete Geburtstagsdekoration&quot; height=&quot;296&quot; alt=&quot;Liebevoll hergerichtete Geburtstagsdekoration&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/stelabrasil/images/PICT3196.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
Das war eher ein Kindergeburtstag. Etwa 30 Kinder und im Vergleich zu deutschen Geburtstagen wenig zu essen und wenig Programm. Und doch: Die Kinder konnten sich miteinander selbst beschäftigen, sie haben sich selbst genügt, ohne dass irgendeines von ihnen sich gelangweilt hätte oder über Bänke und Tische gegangen wäre. Das haben die brasilianischen Kinder den deutschen, glaub ich, voraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ach ja, zwei Dinge, die ich in den letzten Wochen gelernt hab: Rechnen auf portugiesisch und Gitarrespielen mit Plektron &#61514;</description>
    <dc:creator>stelabrasil</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 stelabrasil</dc:rights>
    <dc:date>2007-11-05T01:00:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://stelabrasil.twoday.net/stories/4284709/">
    <title>Angekommen</title>
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    <description>Fast 3 Wochen bin ich nun schon in Brasilien, auch wenn es mir manchmal schon viel laenger vorkommt, was an den unzaehligen Eindruecken liegt, die tagtaeglich auf mich einstroemen. Nun hab ich Euch versprochen, die, die wollen, regelmaessig ueber mein Leben und Tun als Missionar auf Zeit fern der Heimat zu unterrichten. Und dies geschehe nun hiermit zum ersten Mal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunaechst einmal kann ich sagen, dass es mir hier in São Luís richtig gut geht, auch wenn mein Einstieg hier getruebt war/ist. Denn gut eine Woche nach meiner Abreise aus Deutschland ist meine Oma gestorben. Ich habe mich zwar am Tag vor meinem Flug von ihr verabschiedet; auch  da sie in letzter Zeit immer schwaecher geworden ist  in dem Bewusstsein, dass ich sie wohl das letzte Mal sehen wuerde. Doch in dieser Situation nicht bei meiner Familie sein und nicht an der Beerdigung teilnehmen zu koennen, hat mich schon sehr mitgenommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Meine Reise ueber Lissabon und Fortaleza (jeweils mit Uebernachtungen) verlief recht unspektakulaer und an jedem Flughafen war jemand, der mich in Empfang genommen hat; in São Luís schliesslich Bruder Zacarias, ein Franziskaner, der auch deutsch spricht und hier in der Stadt mein Ansprechpartner bzgl. des Freiwilligendienstes ist. Auch meinen Gastvater konnte ich am Flughafen schon kurz kennenlernen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den ersten Tagen bin ich aber zunaechst mit Bruder Zacarias und vielen anderen aus São Luís nach Bacabal, einer Stadt etwa 4 Stunden von hier, gefahren, um dort am Kapitel der Franziskanischen Familie teilzunehmen. Dort konnte ich auch 3 weitere Freiwillige der Franziskaner aus Deutschland treffen, die ich schon aus der Vorbereitung kenne und die bereits seit August hier in verschiedenen Orten sind. Eine davon, Anne, wohnt ebenfalls in São Luís und ist in einem anderen Projekt eingesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;Wir Freiwillige (Missionare auf Zeit) der Franziskaner bei unserem Treffen in Bacabal&quot; height=&quot;296&quot; alt=&quot;Wir Freiwillige (Missionare auf Zeit) der Franziskaner bei unserem Treffen in Bacabal&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/stelabrasil/images/PICT2733.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit meiner Rueckkehr aus Bacabal am 9. September wohne ich nun in &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Meiner Gastfamilie.&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Mit meinen Gastgebern hab ich es echt gut getroffen. Das ist zum einen der Hausvater, Heremil, den ich tio, also Onkel nennen darf/soll. Er ist 65 Jahre alt und pensioniert. Vorher war er Militaerpolizist und als solcher Sicherheitschef am Amtssitz des Gouverneurs (entspricht in Deutschland einem Ministerpraesidenten) des Bundesstaates Maranhão. Er hat dann irgendwann angefangen, Jura zu studieren und nach seiner Pensionierung als Anwalt beim Gericht angefangen, aber unentgeltlich fuer Leute, die sich keinen Anwalt leisten koennen (pro bono also).&lt;br /&gt;
Seine Frau ist leider vor 3 Monaten gestorben, so dass er nur mit seinem einzigen Sohn und meinem Bruder auf Zeit, Carlos Henrique, genannt Carlinhos, zusammen wohnt. (Das witzige ist: Carlos Henrique heisst auf deutsch Karl-Heinz, so wie einer meiner richtigen Brueder). Er ist 27 Jahre alt und hat wohl gerade  so wie ich es verstanden habe  seine Abschlussarbeit fuers Studium (irgendwas mit Verwaltung/Handel oder so  wenn ich mehr verstehe, frage ich nochmal nach). Beide sind jedenfalls total nett und lassen mir jede Freiheit im Haus (Kuehlschrank, Fernsehen, Internet,...). Sie gehoeren  wie ich es einschaetzen wuerde  zur gehobenen Mittelschicht Brasiliens. Sie besitzen ein eigenes Haus mit Klimaanlage, 3 Fernseher, Internetanschluss, 2 Autos und einen sitio (Landhaus) etwas ausserhalb der Stadt. Was mich besonders freut, ist, dass Carlinhos 2 Gitarren hat, von denen er mir eine liebenswerterweise geliehen hat  also ist mein Ueberleben gesichert &#61514;. Ausserdem gibt es mehrere Fahrraeder und Carlinhos will mit mir demnaechst auch losradeln. Heremil scheint auch recht gut gebildet zu sein. Er kennt die deutsche Geschichte insoweit, dass er weiss, dass es einmal 2 deutsche Staaten gegeben hat, die jetzt wiedervereinigt sind  und das will fuer Brasilianer, die in solchen Dingen recht oft sich selbst genuegen, schon sehr viel heissen.&lt;br /&gt;
Den Haushalt machen Prêta, eine Nichte Heremils, und Regina, die beide tagsueber im Haus sind, kochen, saubermachen und u.a. fuer meine Waesche sorgen. Vormittags ist auch immer noch Maysa, Reginas fuenfjaehrige Tochter da, bis sie nachmittags in die Vorschule geht. Alle drei sind auch total lieb und ich fuehle mich gut aufgehoben. Ach ja, zum Haushalt gehoert noch Spike, ein grosser siebenjahriger Weissnichtwelcherassehund, der ueber das Haus wacht.&lt;br /&gt;
Sehr vorteilhaft ist, dass Heremil der presidente des Centro Beneficente, meines Projektes eben, ist, in Deutschland wuerde man sagen: der Vorsitzende oder Geschaeftsfuehrer des Traegervereins. Das heisst also, er weiss, worum es geht, worauf es ankommt und kann mir auch viele Einblicke verschaffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;Kinder aus meinem Projekt, dem Centro Beneficente&quot; height=&quot;296&quot; alt=&quot;Kinder aus meinem Projekt, dem Centro Beneficente&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/stelabrasil/images/PICT2842.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Das Projekt&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Naeheres ueber das Centro Beneficente Nossa Senhora da Glória, in dem ich eingesetzt bin will ich Euch demnaechst schreiben, wenn ich selbst alles richtig verstanden habe, was Geschichte, Ablaeufe, Hintergruende, Zielgruppen usw. angeht. Aber Ihr sollt schon mal wissen, wie meine Taetigkeit bisher dort aussieht.&lt;br /&gt;
In den ersten Wochen geht es darum, dass ich das Projekt in all seinen Facetten und Bereichen kennenlerne und mit den Mitarbeitern und Kindern vertraut werde; ich laufe also so mit, schaue ueberall hinein und helfe, wo ich kann. Spaeter, wenn ich die Sprache besser beherrsche, werde ich auch eigene Akzente setzen koennen.&lt;br /&gt;
Konkret gehe ich morgens gegen dreiviertel 8 aus dem Haus und brauche zu Fuss und mit Bus etwa eine Viertelstunde zum Centro. Um diese Zeit kommen auch die Kinder, die den Vormittag hier verbringen (weil sie nachmittags zur Schule gehen). Zur Zeit sind das etwa 25 Kinder, die von einer professora (Lehrerin) angeleitet werden, zu verschiedenen Themen zu arbeiten, schulisch gefoerdert werden, spielen, singen etc. Wie schon gesagt, laufe ich erst einmal nur mit. Etwa gegen 11 Uhr gibt es einen Imbiss fuer die Kinder, nach dem sie auch das Centro verlassen. Dann essen wir, die Mitarbeiter, in der Kueche, ich halte einen Mittagsschlaf in der Haengematte. Dann um halb zwei sind die Nachmittagskinder an der Reihe (die morgens zur Schule gehen), altersmaessig aufgeteilt auf 5 Gruppen, die aehnlich wie am Vormittag von professoras angeleitet werden. Auch fuer sie gibt es gegen 16.30 Uhr einen Imbiss, bevor sie nach Hause gehen bzw. abgeholt werden. Und gegen fuenf mach ich mich dann auch auf den Heimweg.&lt;br /&gt;
Das Centro befindet sich uebrigens in Alemanha, also in Deutschland, so heisst das Stadtviertel. Als ich mich vorstellte und sagte, dass ich aus Alemanha komme, war das fuer die Kinder erstmal nichts besonderes, denn viele von ihnen kommen ja auch daher. Bei der Sprache wurde das Aussergewoehnliche dann schon offensichtlicher. Ich komme  glaub ich  fuer den Anfang mit dem Portugiesischen ganz gut zurecht, zumal ich ja schon zweimal in Brasilien war. Doch es fehlt halt einfach noch so viel an Vokabular. Und ich bin da ziemlich ungeduldig, ich wuerde am liebsten schon alles sofort sagen und verstehen koennen, aber das braucht Zeit und Uebung. Es ist schon eine besondere Erfahrung, sich nicht umfassend mitteilen zu koennen und auf den guten Willen anderer angewiesen zu sein. Z.B. wenn man irgendwohin mitgenommen wird, wo man nicht richtig verstanden hat, was es denn sei; da kann man nur darauf vertrauen, dass es schon gut wird.&lt;br /&gt;
Von den Mitarbeitern im Centro hab ich bisher am meisten mit den professoras zu tun gehabt und die sind allesamt total nett und locker, haben mich gut aufgenommen und zeigen Verstaendnis fuer meine Anfangsschwierigkeiten. Es gab auch schon eine interne Geburtstagsfeier, die total lustig war, auch wenn das Bier nicht so gut schmeckt wie in Deutschland.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;Waehrend des Unterrichts der Vormittagsgruppe&quot; height=&quot;296&quot; alt=&quot;Waehrend des Unterrichts der Vormittagsgruppe&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/stelabrasil/images/PICT2818.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;In den Favelas&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Am letzten Wochenende hat mich Heremil, mein Gastvater, mitgenommen zu einem Spaziergang in die Wohnviertel und Favelas, in denen die Kinder wohnen, die in unser Centro kommen. Sie kommen durchweg aus armen Verhaeltnissen und was ich auf diesem Gang gesehen habe, hat mir gezeigt, was Armut in Brasilien heisst: Kleines Haus an kleines Haus, teils aus Stein, teils aus Lehm, unverputzt, die Strassen kaum gepflastert, die Seitenstrassen fuer Autos (auch Krankenwagen) unpassierbar (bei Regen wohl erst recht), Muell und Schutt an allen Ecken, streunende duerre Hunde, ueberall Kinder, erwachsene Maenner, die  ohne Arbeit  an einer Kneipe sitzen, und dann  als waere das alles noch nicht arm genug  die Palafitas: Huetten auf Holzstelzen in den Sumpf des Flusses gebaut. Und dann treffen wir Kinder, die ich aus dem Centro kenne und sie laden uns ein, in ihr Haus zu kommen und ich balanciere mit flauem Magen ueber den nicht gerade vertrauenerweckenden Holzsteg, stellenweise gerade 10 Zentimeter breit, der die Haeuser verbindet, und wir betreten eine Holzhuette, vielleicht so gross wie mein Wohnzimmer in Heiligenstadt, darin ein Fernseher, mit haengenden Tuechern abgetrennt ein Bett fuer ichweissnichtwieviele Familienmitglieder. Die Mutter bittet uns, Platz zu nehmen, durch die Holzritzen im Boden ist das Wasser und der Schlamm des Flusses zu sehen, Krebse schwimmen darin umher. Die Kinder fuehren uns nach hinten hinaus, da geht ein Steg zu einer holzverschlagenen Waschstelle, dahinter ein Verschlag als Toilette, ich kann mir denken, wo die Notdurft landet. Unser Kurzbesuch ist beendet und was mir vor allem in Erinnerung bleibt, ist das unbeschreibliche Strahlen in den Augen der Kinder. Das ist ein Geheimnis fuer mich, wie Kinder, die in solch einer Umgebung aufwachsen, solch ein Strahlen in den Augen haben koennen. Diesem Geheimnis will ich im Laufe des Jahres auf die Spur kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zehn Minuten Autofahrt spaeter sind wir im Garten eines Freundes von Heremil, bewaessert und sehr gepflegt; darin ein Gartenhaus mit Swimmingpool  groesser koennen die Gegensaetze kaum sein. Es ist fuer mich wie die Fahrt auf einer Serpentinenstrasse: von einem Extrem ins andere  und das oft mehrmals am Tag. In dem Garten steht eine Figur mit einem Schild in der Hand: Como a vida é doce! (Wie ist das Leben doch suess!) Fuer einige Menschen hier sicherlich, aber fuer viele auch nicht, z.B. fuer die Frau, die auf die Frage, ob sie noch mehr Kinder als diese zwei habe, antwortet Não, graças a Deus! (Nein, Gott sei dank!).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihr seht, ich erlebe hier so einiges; oft bin ich sogar so ueberwaeltigt, dass ich abends um 10 schon todmuede ins Bett falle. Ich will diesen ersten Bericht auch nicht zu lang werden lassen und mir einiges auch noch fuer die naechsten aufbewahren ;-) Dann sollt Ihr auch mehr ueber das normale Leben hier erfahren.</description>
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    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 stelabrasil</dc:rights>
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